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Gedenkfeier zum 200. Todestag des letzten Abtes

Gedenkfeier zum 200. Todestag des letzten Abtes
Gedenkfeier zum 200. Todestag des letzten Abtes
© Franz Ratajczak

Bewegende Zeugen von Eberbacher Klosterkultur und persönlichem Schicksal werden am ​​​​​​

3. Advent,  Sonntag, den 16. Dezember um 10.00 Uhr

in St. Jakobus, Rüdesheim am Rhein, am Markt 
in das Pontifikalamt mit Abt Andreas Range von der Zisterzienserabtei Marienstatt eingebunden.

Die Geschichte des letzten Abtes von Kloster Eberbach

Am 18. Dezember 1818 verstarb im Alter von 73 Jahren in seiner Heimat Rüdesheim der 58. Abt des durch die Folgen der Französischen Revolution 1803 verstaatlichten Zisterzienserklosters Eberbach, Leonhard II. Müller. 

Mit ihm erlosch endgültig eine reichhaltige geistliche als auch ökonomische Klostergeschichte, die ausgehend von der Gründung 1136 durch den berühmten Hl. Bernhard von Clairvaux, gemeinsam mit dem Mainzer Erzbischof Adalbert, bis hin zur Ausweisung der Mönche reichte.

Leonhard II. Müller (Taufname Laurentius) war einer der fünf Söhne des Oberschultheissen Johannes Müller und seiner Ehefrau Maria Magdalena, geb. Reusch. Er trat 1765 im Alter von 20 Jahren in die Abtei Eberbach ein und amtierte ab 1787 als Seelsorger (Propst) des Eberbach unterstellten Frauenklosters Marienhausen (Aulhausen), ehe er 1795 zum Abt gewählt wurde.

Seine kurze Amtszeit ist geprägt von leidvollen Kriegszuständen, dem jahrelangen Wüten französischer Revolutionstruppen und sogar zeitweiser Flucht der Mönchsgemeinschaft sowie schließlich durch den Todesstoß für Eberbach als Kloster. 

Nach der Ausweisung lebte Abt Leonhard, mit einer staatlichen Pension versehen, im Haus seines Bruders, dem Bürgermeister Josef Müller, in Rüdesheim und übernahm noch geistliche Dienste an der Pfarrkirche. Auch zu seinen ehemaligen Mitbrüdern im Kloster, die verstreut im Rheingau und darüber hinaus untergekommen waren, pflegte der Abt zentral in Rüdesheim noch regen Kontakt. Dazu gehörte auch sein leiblicher Bruder P. Albert, der ebenfalls in Rüdesheim Wohnung nahm.

Nach dem Tod Leonhards fand die Beisetzung auf dem Friedhof an der Südseite der Jakobuskirche statt, bis 1905 seine Gebeine in das Kircheninnere überführt wurden. Durch die Bombardierung 1944 ist die exakte Lokalisierung der Grabstätte in der Kirche nicht mehr möglich; eine Gedenkinschrift im Fußboden des Kirchenneubaues bewahrt die Erinnerung.

Ein von Resignation gezeichnetes Porträt des Abtes ist erfreulicherweise überliefert und als Leihgabe der Stadt Rüdesheim im Abteimuseum Kloster Eberbach ausgestellt. Darüber hinaus existieren noch zwei weitere Bildnisse  Leonhards; eines in Marienstatt und eines im Privatbesitz in Ingelheim. Ebenfalls aus dem Nachlass des Eberbacher Prälaten gelangten von der Nassauischen Regierung 1803 aus dem Klosterinventar zugeeignete Liturgiegegenstände (u.a. prachtvolle Messgewänder und ein kostbarer Kelch) an die Rüdesheimer Kirchengemeinde, die nach wie vor in hohen Ehren und Pflege gehalten werden. Hier befinden sich angeblich auch Brustkreuz und Ring des Abtes, sein Stab ist im 2. Weltkrieg im Landesmuseum Mainz untergegangen.