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Hier bin ich, Herr, DU hast mich gerufen!

Hier bin ich, Herr, DU hast mich gerufen!
Hier bin ich, Herr, DU hast mich gerufen!

Gedanken zum Jahresmotto im November von Dorothea Jakobi

© Pixabay

Bisher hat hinter dem Satz, der uns inzwischen fast ein Jahr begleitet, kein Zeichen gestanden. Jedes Wort des Jahresmottos stand einen Monat lang im Mittelpunkt. Nun ist der Satz zu Ende und ich setze, ganz provokant, ein Fragezeichen:

Hier bin ich, du hast mich gerufen?

Was drückt dieses Satzzeichen aus?

  •      Zweifel? 
  •      am „DU“?
  •      am „MICH?“
  •      Unsicherheit?   Vielleicht.

Vielleicht ist das Fragezeichen für mich aber auch ein Ausdruck des Staunens: Du, Gott, der alles in seinen Händen hält, rufst mich?

Wenn ich davon ausgehe, dass dieses „DU“ der Gott ist, der mich unendlich liebt und mich als Mensch so annimmt, wie ich bin (eben ganz MICH), dann drückt dieser Satz, als Frage formuliert, aber auch Bereitschaft und Erwartung aus: „Du, Gott, hast mich, Mensch, gerufen. Nun bin ich da, ganz Ohr. Ganz aufmerksam auf dich hin und ganz offen.

Was bedeutet das Fragezeichen?

Dorothea Jakobi

 

Gedanken zum Jahresmotto im Oktober vom Pfarrer Marcus Fischer

© Pixabay

´Hier bin ich, DU hast mich gerufen´ als Jahresmotto richtet sich zuerst an mich und Gott. Heute lade ich Sie ein, die Blickrichtung zu ändern.

Die Berufung der anderen

Welche Sicht habe ich auf die mögliche Berufung anderer Menschen?

  •  Kann ich mich herzlich und ehrlich und aufrichtig für sie freuen – auch wenn ich sie nicht sympathisch finde?
  • Kann ich ehrlich und frei und liebend für sie beten – auch wenn ich ihre Art zu leben nicht teile?

Es sind schwierige und komplexe Fragen, deren Antworten Lebens-Zeit brauchen, Liebes- und Leid-Erfahrungen benötigen, Verletzung und Versöhnung fast voraussetzen, liebend und suchend ´durchbetet sein wollen´…

Die Berufung anderer Menschen sehen manchmal

  • 'Außenstehende´ eher als Verwandte,
  • andere Mit-Wallfahrer eher als Freunde zuhause,
  • Seelenverwandte eher als Familienangehörige, …

Was macht ´Berufung´ aus, wenn wir zusammen glauben & leben?
Wie erkenne ich sie Tag & Nacht, wenn wir das ´Licht der Erde´ sind?
Wie ´schmeckt´ sie, wenn Jesus uns als ´Salz der Erde´ bezeichnet?
Wie fühlt sie sich an, wenn Getaufte Christus wie ein Kleid tragen?
Wie hört sich ´Berufung´ an, wenn Stille DEINE Worte sind?
Wie lange hält sie, wenn Ewigkeit ohne Ende ist?

Ist ´Berufung´
wie Blut in den Adern & Luft in den Lungen, 
wie ein schlagendes Herz & eine mit sich vertraute Seele,
wie ein Mensch, der bei sich selbst wohlig-warm zuhause ist,
wie ein Seelen-Haus mit geöffneter Tür für und zu Gott…?

Ihr Pfr. Marcus Fischer

 

Gedanken zum Jahresmotto im September von Dorothea Jakobi

Holzskulptur, aufgenommen in Wettenhausen © Adelheid Weigl-Gosse Pfarrbriefservice

Hier bin ich, DU hast mich gerufen

„Gerufen“- das Wort klingt für mich nach Schreien, Lautstärke, Befehl, Heranzitieren. Alles Assoziationen, die ich mit Gott überhaupt nicht in Verbindung bringe.

Ich glaube, dass Gott ein Gott der Stille ist. Der mir nicht seine Befehle und Gebote ins Ohr brüllt, sondern vielmehr zärtlich und liebend um mich wirbt. Und meine Erfahrung ist, dass ich meistens doch sehr genau hinhören muss, um zu erkennen, was Gott von mir will. Häufig habe ich dann von IHM gefordert: Jetzt mach es doch mal klarer! Sag es so, dass auch ich es verstehe mit meinem kleinen Menschenverstand!

Und jetzt sagt Samuel: „Hier bin ich, du hast mich gerufen“. Und das Rufen Gottes war für Samuel so klar und verständlich, dass er glaubte, sein Lehrer Eli habe nach ihm gerufen! Was sagt das aus über Gott?

Wenn ich in meinen Alltag schaue und überlege, wann ich eigentlich jemanden rufe, fällt mir zweierlei auf: Zum einen, ist es wirklich dringend, wenn ich rufe. Dann ist es mir nicht egal, ob jemand kommt. Zumeist ist es in Situationen, in denen ich die Hilfe eines anderen benötige, weil ich allein nicht weiterkomme. Zum anderen ist dieser Ruf eigentlich immer an eine bestimmte Person gerichtet. Ich rufe den Namen dessen, von dem ich mir am ehesten Hilfe erwarte und erhoffe.

Wenn ich meine Erfahrung 1:1 auf Gott übertrage, würde das heißen, dass Gott ruft, weil er den Menschen braucht. Dass er mich ruft, weil er mich braucht….

Ich persönlich glaube nicht, dass Gott den Menschen braucht und in irgend-einer Weise auf ihn angewiesen ist. Somit hat das „Gerufen-Sein“ schon einmal nichts mit Befehl oder Beauftragung zu tun. Das ist gut, denn nur so kann der Mensch ein freies Wesen bleiben.

Ich glaube, das Rufen Gottes ist ein Ruf der Sehnsucht nach dem Menschen. Der Grund für die Erschaffung des Menschen ist auch der Grund dafür, nach dem Menschen zu rufen: Liebe.

In dieser Liebe ist es Gott nicht egal, ob wir ihn hören, er setzt alles daran, dass wir ihn wahrnehmen. Uns bleibt dennoch der freie Wille. Wir können uns die Ohren zuhalten, aber vielleicht sollten wir uns immer mal wieder verdeutlichen, wie sehr Gott sich nach uns sehnt und wie unbedingt und vorbehaltlos er den Menschen liebt.

Dorothea Jakobi

 

Gedanken zum Jahresmotto im Juli/August von Dorothea Jakobi

© Pixabay
© Pixabay

Her bin ich, Du hast MICH gerufen

Eine Szene in einem Klassenraum   einer höheren Schule. Die Ansage des Lehrers lautet: „Wer mit der Aufgabe fertig ist, darf gehen. Aber ich brauche noch zwei Leute, die ausfegen.“ Es braucht wohl nicht viel Phantasie um zu erraten, wie viele Schüler am Ende zum Ausfegen da bleiben…

Wer würde sich angesprochen fühlen auf diese doch recht offene Beauftragung des Lehrers hin? Wenn es um unangenehme oder anstrengende Aufgaben geht, versuche auch ich ganz gern, mich nicht angesprochen zu fühlen.

Bei Gott funktioniert das nicht, denn er meint immer ganz konkret MICH. Er bezeichnet MICH als sein geliebtes Kind. Er hat MICH gerufen, meinen Weg mit ihm zu gehen. Der Ruf gilt allen und trotzdem jedem Einzelnen. Gott nimmt jeden wahr in seiner ganzen Einzigartigkeit und er nimmt den Menschen nicht nur wahr, sondern er nimmt ihn an!

Dieses Wahrgenommen- und Angenommensein des Menschen ist kein Privileg, welches wir Christen durch die Taufe erhalten haben.

Die Taufe ist viel eher eine Antwort auf das Rufen. Sie schließt einen Vertrag zwischen Gott und Menschen. Weil du MICH gerufen hast, Gott, und weil ich dir deine Liebe und Annahme zu jedem einzelnen Menschen (zu mir!) glaube, deshalb möchte ich mit dir durch das Leben gehen.

Gott erneuert seine Zusage immer wieder, in seinem Wort, in den Sakramenten, durch andere Menschen. Immer geht es ihm um MICH. Wie sieht es mit meiner Antwort aus?

Dorothea Jakobi

 

Gedanken zum Jahresmotto im Juni von Pfarrer Marcus Fischer

© pixiabay
© pixiabay

´Hier bin ich, Du HAST mich gerufen´

ist sprachlich ein Blick in die Ver-gangenheit. Es geht nicht um ´du rufst mich jetzt´ oder ´du wirst mich noch rufen´. Nein, es ist schon passiert.Könnte ich Situationen oder Ge-gebenheiten benennen, in denen Gott mich in der Vergangenheit ge-rufen hat? Mein Lebenslauf wird mit dieser Sicht ein Bild der Gegenwart Gottes.

Bei Samuel geschah es damals im Tempel, nachts. Vielleicht antworte ich mit meiner Taufe, meiner Erstkommunion, meiner Firmung oder meiner Hochzeit. Es kann aber auch die Wallfahrt von damals sein, die Genesung nach einer Krankheit, die Versöhnung nach einem Streit oder die Zeit der ersten Liebe?

Diese Blickrichtung ist typisch für    unsere Religion. Das Volk Gottes schaut häufig in seiner Geschichte zurück und deutet so die Geschichte Gottes mit ihnen. Diesen Rückblick haben sie in der Bibel aufgeschrieben – nachdem sie es überlebt, erlebt, erfahren und auch verarbeitet hatten.

Die Rückschau in die Vergangenheit ist wichtig, reicht aber nicht aus.

Ein zweiter Schritt muss dann folgen. Samuel geht zum Herrn und wird ein Prophet. Das Volk Gottes geht weiter in seiner Geschichte – voll Hoffnung, mit Gottes Rückhalt und der Gewissheit, dass ER schon früher sie be-gleitet und geholfen hat.

Wenn ich dankbar und wertschätzend im Glauben zurückschaue, dann kann ich mit Hoffnung und Glaubens-erfahrung auch weitergehen, in     meine Zukunft, ungewisse und offene Lagen meines Lebens betreten. Ich weiß dann: ich bin nicht alleine unterwegs.

Ihr Pfr. Marcus Fischer

 

Gedanken zum Jahresmotto im Mai von Dorothea Jakobi

© Pixabay
© Pixabay

Hier bin ich, DU hast mich gerufen

„Der Mensch wird am Du zum Ich“ lautet ein Zitat des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber. Ohne die Beziehung zu anderen, kann der Mensch nicht sein. Buber meint mit dem „Du“ jeden anderen Menschen, mit dem ich in Beziehung trete. 

Für mich ist „Du“ mehr.

Eine Beziehung ist etwas, was wachsen muss. Von der Distanz zur Nähe. Bevor ich jemandem das „Du“ an-biete, lasse ich einige Zeit ver-streichen. Denn dieses „Du“ bedeutet nicht nur Nähe und Vertrauen, sondern mindestens genauso Verbindlichkeit und Verantwortung. Ich setze mich dem anderen aus, trete ein in eine neue Dimension der Beziehung. Ganz einfach geht uns das „DU“ bei Gott über die Lippen. Aber was sagt das aus über meine Beziehung zu ihm und seine Beziehung zu mir? 

Jesus hat, ganz revolutionär für die damalige Zeit, Gott so angesprochen, wie die Kinder ihren Vater genannt haben: „Abba“. Das heißt übersetzt soviel, wie „Papa“ oder „lieber Vater“. Bei allem Bewusstsein der Größe und Majestät Gottes ist es hier die Liebe, das Vertrauen, die Zuneigung zum Vater, welche uns Jesus lehrt.

 

Gott ist nicht fern, sondern ein „Du“. Er ist nah, ansprechbar. Und das, was für zwischenmenschliche Bezie-hungen gilt, gilt auch für die Be-ziehung zu Gott: sie beruht auf Gegenseitigkeit. Ich darf mich Gott vertrauensvoll nähern und er kommt liebend auf mich zu. Eigentlich undenkbar, aber trotzdem möglich:

Eine Begegnung auf Augenhöhe.

Dorothea Jakobi

 

Gedanken zum Jahresmotto im April von Pfr. Michael Pauly

© Pixabay

„Hier bin ICH, Du hast mich gerufen“

Ich muss gestehen, dass ich nicht gern allein bin.
In Gemeinschaft zu sein, Teil einer Gruppe zu sein, empfinde ich als viel angenehmer und leichter.
Verantwortung kann ich so mit anderen teilen und Aufgaben zusammen bewältigen – in der kleinen Pfarrhaus-Gemeinschaft genauso wie in der Pfarrei.
Und doch gibt es viele Momente, in denen ich allein gefordert bin. Die ich nicht gemeinsam mit anderen bewältigen und schon gar nicht an einen anderen weitergeben kann. Das beginnt beim nötigen Arztbesuch (Sorry, dass ich so lange schon nicht mehr da war!) und geht bis zur persönlichen Entschuldigung, wenn ich einen Fehler begangen habe. Gott sei Dank sind es aber nicht nur unangenehme Momente, in denen ich ganz allein gefordert bin. In denen es einzig und allein um mich geht.

Bei meiner Taufe war kein anderer gemeint, der Kind Gottes wurde, bei meiner Firmung wurde ich persönlich angesprochen „DU Michael, sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist“. Und schließlich ist es im Sakrament der Versöhnung der barmherzige Vater selbst, der mich losspricht von meinen Sünden. Immer geht es allein um mich, und ich kann mich weder hinter jemandem verstecken noch mich vertreten lassen.

Wenn es um die Begegnung mit dem lebensspendenden Gott geht, dann ist mir – anders als beim Arztbesuch  oder bei einer Entschuldigung – das nicht unangenehm, im Gegenteil!

Dass ICH und kein anderer gemeint ist, wenn Gott mich in die Nachfolge seines Sohnes ruft, bewirkt eher Staunen und Freude in mir.

Dieses „Hier bin ICH“ wurde mir am deutlichsten bewusst in der Weiheliturgie. Da wurde ich zu Beginn dem Bischof und der Gemeinde mit Namen vorgestellt und habe gesagt „Hier bin ich“ -  Und damit war es ein für allemal raus. Hier bin ich, weil ER mich gerufen hat.

Ganz persönlich angesprochen und gemeint zu sein durch Gott, durch einen Partner, in der Familie, in der Gemeinschaft der Kirche, kennen Sie bestimmt auch! In solchen Situationen fällt es leichter, JA zu sagen zu einem Menschen oder auch zu einer Verantwortung.

Diese Erfahrung, persönlich ange-sprochen zu sein, und den Mut, dann sagen zu können: „Ja, hier bin ICH“ wünsche ich uns immer wieder von Herzen!

Ihr Pfr. Michael Pauly

 

Gedanken zum Jahresmotto im März von Pfarrer Marcus Fischer

© Martha Gahbauer

Hier bin ich, DU hast mich gerufen 

Hier bin ich – falsch! (1 Sam 3,1-10)

War das nicht der Eindruck von Samuel? Dieses nächtliche Hin und Her im Tempel. Eli, sein Lehrer, ruft ihn. Samuel kommt. Fehlalarm. Zum Zweiten. Zum Dritten. Plötzlich ändert sich die Situation…

´Da merkte Eli, dass der Herr den   Knaben gerufen hatte´.

Für Samuel geht´s plötzlich um Alles. Dieser Ruf Gottes wird Folgen haben. Er verändert sein ganzes Leben – seine Existenz. Für ganz Israel wird der Knabe später ein bedeutender Prophet werden. Er hat seinen Platz gefunden. Lange musste er darauf warten. Jetzt macht sein Leben einen Sinn – für Gott.

Wieviele ´Samuels´ gibt es heute?

Die einen rennen jeder angeblichen Chance hinterher – Rufe und Berufungen als Karrierechance? Die anderen können kaum warten oder jemand erwarten. ´Keine Zeit´. ´Ich nehme die Dinge selbst in die Hand´. Der Macher ist stärker als der Beschenkte.

Aber Gott will sich Menschen schenken, die sich beschenken lassen – wie Samuel, wie Maria, wie ich?

Die anderen verschlafen vielleicht ihre Chance, weil sie keinen wie Eli haben. Keiner der etwas ´merkt´ wie Eli. Keiner der mitwacht und mitdenkt und mitbetet. Keiner der sagt, ´wenn er dich wieder ruft, dann antworte: Rede, Herr; denn dein Diener hört´. Wäre das nicht eine Aufgabe für mich und für Sie? Als Mitmensch, Christ, Taufpate, Firmpate, Trauzeuge, Freund…

Wer heute sagen kann, hier BIN ich, steht doch nicht nur für einen Termin zur Verfügung. Es geht um die ganze Person, ganze Persönlichkeit, meine ganze Existenz. 
Mal werde ich empfangend wie Samuel sein. Ein anderes Mal bin ich leitend wie Eli. Immer geht es aber um den Willen Gottes  - für Eli, für mich und für Sie.

Es ist eine gute Haltung vor Gott und den Menschen – vielleicht auch in der Fastenzeit: ´Hier BIN ich, DU hast mich gerufen´. Denn bei Gott heißt es:

Hier bin ich – richtig!

Marcus Fischer, Pfarrer

 

Gedanken zum Jahresmotto im Februar 2018 von Dorothea Jakobi

Hier bin ich, DU hast mich gerufen

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass man nur „hier“ sein kann? Und trotzdem ist es eine Herausforderung genau das zu tun: Hier-sein.

„Hier“ ist immer der Ort, an dem ich mich gerade befinde, der Ort, an dem mein Leben stattfindet. Viel zu oft sind wir in Gedanken, aber ganz woanders. Entweder in der Vergangenheit: „Ach, war das damals schön!“ oder „Schlimm, dass das passiert ist“ oder in der Zukunft, bei unerledigten Aufgaben oder den nächsten Urlaubsplänen. Samuel aber sagt auf Elis Rat hin zu Gott: „HIER bin ich, du hast mich gerufen.

Wer mit Gott zu tun hat, muss in der Gegenwart bleiben, im Hier und Jetzt, ganz bei sich und offen für den anderen. Weder mit dem Herzen in der Vergangenheit, noch mit den Gedanken in der Zukunft, findet Gottesbegegnung statt.
Auch Gott bezeichnet sich als der „Ich bin“, nicht als der „Ich war“ oder der „Ich werde sein“.

„Hier bin ich, du hast mich gerufen“ bedeutet also: Gott, ich bin ganz anwesend, offen und ausgerichtet auf dich. Ich höre, was du mir sagst und beantworte dein Reden durch mein Tun und mein Leben. Das ist eine zutiefst christliche Haltung. Jesus war immer bei den Menschen, die ihn gerade brauchten und wandte sich ihnen ganz zu. Genauso war er im Gebet ganz bei Gott.

Immer ungeteilt bei einer Sache zu sein, das ist sehr schwierig und oftmals unmöglich. Wer heute nicht mehrere Dinge gleichzeitig tut, geht unter. So scheint es zumindest. Schnell gewöhnt man sich sogar daran und ich werde mittlerweile echt nervös, wenn ich an einer Stelle des Tages Stille habe. Sofort kommt die Suche nach einer mehr oder weniger sinnvollen Beschäftigung. Jede Minute muss ausgefüllt sein. Aber am Ende eines Tage frage ich mich dann: Was hast du heute eigentlich den ganzen Tag gemacht? Alles ist an mir vorbei gehastet und kaum etwas habe ich wirklich beachtet. Ich arbeite Dinge ab, um später endlich freie Zeit zu haben.

Dabei ist meine Erfahrung viel mehr die: Je mehr Aufmerksamkeit ich einer Sache widme, desto mehr erfüllt sie mich. Das Tun hat aus sich heraus schon Sinn.

Es ist ein Unterschied, ob ich mich meinen Kindern uneingeschränkt zuwende, oder nebenbei Emails     schreibe, weil sie mich fünf Minuten nicht zu brauchen scheinen. Ganz bei einer Sache zu sein, bringt Ruhe und Zufriedenheit. Es ist ein gutes Gefühl, sagen zu können: „Jetzt und hier bin ich bei meinen Kindern“

Und das gilt ganz besonders auch für die Gottesbeziehung. Wie oft denke ich: Kann ich es mir leisten, mich einfach eine viertel Stunde in die Kirche zu setzen? Ist das nicht vergeudete Zeit? Kann ich in der viertel Stunde nicht schon ganz viel andere Dinge erledigen?

Aber diese Zeit ist immer wieder ein Segen, weil ich in der Kirche gezwungen bin, einfach nur zu sein. Manchmal braucht es Überwindung, die Stille, das (scheinbare) Nichts-Tun auszuhalten und der Versuchung, die Kirche fluchtartig wieder zu verlassen, zu widerstehen. Aber wenn ich das schaffe, dann merke ich: Ich bin ganz hier und du, Gott, auch. Und die Frage drängt sich auf: Gibt es ein sinnvolleres und wichtigeres Tun?

Dorothea Jakobi

 

 

Gebet zum Jahresmotto im Januar 2018

Hier bin ich
Hier bin ich – ein Mensch unter Milliarden anderen.
Hier bin ich – dein Geschöpf, von dir gewollt und geliebt.
Hier bin ich – mit meiner Freude und meiner Hoffnung.
Hier bin ich – auch mit meinen Sorgen und Ängsten.

Hier bin ich, Herr, du hast mich gerufen.
Du hast mich gerufen – im ersten Augenblick meines Lebens.
Du hast mich gerufen – bei meiner Taufe zum neuen Leben.
Du hast mich gerufen – dein Wort zu hören und zu verstehen.
Du hast mich gerufen – deinen Spuren im Leben zu folgen.

Hier bin ich, Herr, du hast mich gerufen.
Du hast mich gerufen – an diesem Tag im Gebet bei dir zu sein.
Du hast mich gerufen – an diesem Ort deine Nähe zu spüren.
Du hast mich gerufen – gemeinsam im Glauben Kirche zu sein.
Du hast mich gerufen – zusammen mit vielen in unsrer Pfarrei.

Hier bin ich, Herr, du hast mich gerufen.
Hier bin ich – vor dir in Lob und Dank.
Hier bin ich – vor dir mit meinen Bitten.
Hier bin ich – vor dir in Gebet und Stille.
Hier bin ich – so sagst auch Du zu mir,

in dieser Stunde, an diesem Ort, dafür danken wir dir. Amen.