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Erfolgreiche Krippenausstellung

Erfolgreiche Krippenausstellung
Erfolgreiche Krippenausstellung

Bericht Rheingau Echo vom 02.01.2020

Der erste Blick beim Eintritt in die Kirche St. Petronilla Aulhausen richtet sich auf eine übergroße Rheingauer Schneekrippe. Diakon Dr. Christoph Beuers zeigt sie in St. Petronilla Aulhausen.

Aulhausen. (av) – Der erste Blick beim Eintritt in die Kirche St. Petronilla Aulhausen richtet sich auf eine übergroße Rheingauer Schneekrippe. Diakon Dr. Christoph Beuers sprach von einem Höhepunkt seiner Krippenausstellung, die noch bis zum 5. Januar geöffnet ist. Die Rheingauer Schneekrippe, von Geisenheimer Schülern in der Zeit von 1948 bis 1953 gebaut, sollte ursprünglich entsorgt werden, jetzt erstrahlt sie nach einer ersten Sanierungsphase in der Aulhauser Pfarrkirche. Die Krippe wurde Dr. Beuers überlassen, der eine große Ansammlung an Krippen besitzt.

Die Rheingauer Schneekrippe macht sich die Botschaft der Schönborner zu Eigen: Keine Hexenjagd, keine Inquisition und endlich Frieden nach 30 Jahren Krieg. So beginnt eine Friedenswende durch das Haus Schönborn. Auch, wenn das Schloss in den Seitenflügeln gekürzt ist, ist die Friedensbotschaft vom Kind in der Krippe im Stall vor dem Schloss gut platziert. Friede ist kein Märchen, so Dr. Beuers, kein Märchen, wie es der Schlossbau nahe legt. Friede ist Wirklichkeit, schon seit mehr als 70 Jahren. So sei die Rheingaukrippe nicht nur eine politische Krippe, sondern auch einer der Höhepunkte der Ausstellung.

Bei der Ausstellungseröffnung nach dem Vorabend-Gottesdienst letzten Samstag sagte Dr. Beuers: „Das mir persönlich wichtigste Argument für die Auswahl aus meinen Krippen lieferte Papst Franziskus bei einer Generalaudienz am 18. Dezember“. Papst Franziskus betonte, „eine Krippe aufzubauen bedeutet, die Nähe Gottes zu feiern“. Es bedeute, die reale Präsenz Gottes wiederzuentdecken, denn Gott sei konkret, lebendig, berührbar. Gott sei nicht ein weit entfernter Herr oder Richter, sondern er sei die bescheidene Liebe, die zu uns hinabgestiegen ist. Und wenn Gott in unser Leben eintritt, dann wird Leben neu, dann ist wirklich Weihnachten. So sei es auch möglich, dass in der Playmobilkrippe der Kinder ein Drache das Hirtenfeuer anzünden kann, sagt Dr. Christoph Beuers. Die Playmobilkrippe wurde von den Vorschulkindern aus dem Waldkindergarten und der Kita in der Ludwig Glaserstraße Aulhausen aufgestellt. Aus ihrer Spielwelt suchten sie Szenen für ihre Krippe aus: Tiere im Zoo, eine Palme mit Löwen, Elefanten, ein Feuer mit Hirten, Zicklein und Schafe. Den Drachen, der das Hirtenfeuer anzündet. Der Engel mit seinem Sternenstab fasziniert ebenso wie der einfache Futtertrog für das Jesuskind sowie Maria mit ihrem langen Umhang. Die drei Könige wurden auf Pferden neben einen Elefanten platziert. Ein Piratenschiff, ein Krankenwagen, ein Lastwagen und eine Zirkusbank bilden den Hintergrund. Das Aufbauen der Krippe nach ihren eigenen Vorstellungen habe den Kindern sichtlichen Spaß bereitet, sagte Dr. Beuers, der zu Hause in seinem Büro von Krippenfiguren umgeben ist.

Aus dieser Sammlung hat der Ortsausschuss von St. Petronilla mit ihm Krippen für die Ausstellung ausgewählt. Es ging nicht um Superlative, sondern um Impulse, die Brücke zwischen Himmel und Erde immer wieder neu zu begehen. Die Krippenfiguren sollten Lebensrolle bieten, um sich zu bedenken. Aufgestellte Gebete unterstützen diesen Prozess. Krippen aus Südamerika, Afrika, Asien und aus dem Rheingau werden vorgestellt und machen Mut, sich auf den Alltag als auch auf Weihnachten einzustellen, so Dr. Beuers.

Geheimnisvolle Linie und Symbole kommentieren die Geburt Jesu bei den gezeigten Krippen aus Südamerika. Vor allem in der Buntheit ihrer Farben. Das gilt für die heiligen Lamas. Sie beschreiben die Sicht der Ahnen auf den persönlichen Lebensweg in Augen und Kästchen. Sie beschreiben in kleinen Kreisen mit Augen den göttlichen Schutz. Braune Linien schmücken die indianische heilige Familie vom Amazonas. Sie schützen vor bösen Geistern und schlimmen Schicksal. Die begleitende Schildkröte erdet das himmlische Tun Jesu. Der bunte Kakadu himmelt das Tun Jesu. Er bringt Hilfe und Heilung. Besser kann man die Brückenfunktion von Krippen nicht umsetzen. Argentinische Indigene, so nennt man die Indios der Anden und des Dschungels, respektvoll ihre Fähigkeit, Krüge zu formen zum Ausgangspunkt ihrer Darstellung. Jesus ist wichtig wie Wasser. Die außergewöhnlichen Formen ziehen gleich die Blicke auf sich. Viele Darstellungen aus Afrika sind vornehmlich aus Ebenholz gestaltet. Die Heilige Familie ist nicht mehr in weißer, sondern in der eigenen Hautfarbe zu sehen. Das bringt Augenhöhe mit den Völkern anderer Kontinente, Tansania 2019. Gelegentlich sind Krippen mit schwarzen Eltern und einem weißen Krippenkind zu sehen. Nach der Geburt zeigen afrikanische Kinder wenige Minuten eine weißliche Hautfarbe. Raum ist in der kleinsten Hütte, so die Krippe aus Ruanda. Die Ältesten der Kontinente kommen. Sie wurden in Togo geschnitzt. Der Lebensbaum sorgt für Lebensmittel, Brennholz, Nahrung mit seinen Früchten und für Medizin. Dort ist das Kind in der Krippe platziert. Die Maisblattkrippe aus Malawi beschreibt die Geburt Jesu als ein großes Fest. Die Bischofskrippe von Bischof Dr. Alick Banda, Sambia 2000, erinnert an Kampf und Hoffnung zugleich: „Alles wird gut.“ Der Bischof initiierte um die Slums in N’Dola eine Menschenkette, um die Bleibe der Menschen dort zu retten. Die Hütten sollten ohne Ersatz mit Bulldozern abgerissen werden. Die Geburt Jesu setzt ein Friedenszeichen, so die Bronzekrippe aus Burkina Faso.

Asien bietet viele Gegensätze an: Die Dreikönigsverehrung philippinischer Straßenkinder, gefertigt aus Ananasstroh. Sie ist Hilfe, um zu überleben. Dagegen leuchtet prächtig das „Lichtkind“ der Capizmuschelglaskrippe. Das „Glitzerkind“ mit der Dreikönigsverehrung aus Indien in Mangoholz zieht die Blicke auf sich. Die „Hl. Familie“ ist geschnitzt in Versenkung in Gott in buddhistischen Darstellungsformen aus Myanmar. „Glücklich unter dem Stern“ sehen sich die Künstler der Porzellan-Krippe aus Südkorea 1998.

Hände der Hoffnung erarbeiteten eine Krippe aus Papier, das aus der Rinde des Maulbeerbaumes in Thailand gewonnen wurde. Die Vietnamkrippe wurde von Kindern hergestellt. Sie konnten infolge ihrer künstlerischen Tätigkeit einen Schulplatz ergattern und auf eine sichere Zukunft hoffen. „Himmlischen Glanz“ verbreitet die indonesische Weihnachtskrippe in Weiß und Gold, die den Stall, die Hirten, die Tiere und die Heilige Familie erfüllen. Die Gesichtslosigkeit der Figuren lädt ein, sich selbst gedanklich in das Licht Gottes zu stellen. Er gibt Kraft und Hilfe, den Alltag zu bewältigen und sich den Toten der Tsunamis von 2004 und 2018 zu stellen.

Aus China stammt das Stadttor mit der Abbildung des Geburtsgeschehens und mit den chinesischen Schriftzeichen zu Jes 9,2. „Das Volk, das im Finsteren lebt, erblickt ein helles Licht“. Die zweite Krippendarstellung von Long Wang u. Don Yang geht auf die Legende um die erste christliche Krippendarstellung aus Kampferholz zurück. Ein Sammler kommt 2007 in die Manufaktur. Er erklärt und entwickelt zusammen mit der Familie ein Konzept: Ein Haus in chinesischem Stil, landestypische Tiere und Kleidung. Die Bauern ersetzen die Hirten, die Mittelschicht vertritt der Mandarin. Die Könige sind der historischen Oberschicht entnommen. Die Gesten stammen aus dem Alltag. Fertig in sieben Tagen. „Es dauerte mehr als drei Jahre, bis die Krippe zu mir kam“, so Dr. Beuers. Politische Verwicklungen zwischen den USA und China hatten den Versand erschwert. Auch, wenn es kaum private Krippen in China gibt, so leben dort ein Prozent als Christen. Das sind mehr als in ganz Europa, in den Gottesdienst gehen 90 Millionen Menschen.

Arabische Christen fertigten die Krippe aus Bethlehem. Sie ist Beuers und seiner Frau sehr ans Herz gewachsen. „Der Kauf war gefahrvoll. Israelisches Militär hatte einen Anführer der HAMAS getötet. Als dies bekannt wurde, rollten Panzerfahrzeuge an. Wir gingen durch den Hintereingang hinaus, eilten erst in die sichere Geburtskirche und dann zum Bus. Bloß weg. Bethlehem wünscht sich nichts 

sehnlicher als Frieden. Das konnten wir gut spüren“, so Beuers. Noch Tage später konnte das Ehepaar die dort erlebte Angst nicht ablegen. Gott sei Dank, gab es keine weiteren gewaltsamen Auseinandersetzungen.

Von der größten Weihnachtsmarktkrippe in Deutschland, vom „Weihnachtsmarkt der Nationen“ in Rüdesheim, stammt eine Tasse. In 1999 wurde die Weihnachtsmarktkrippe mit einer Tasse des Weihnachtsmarktes gefeiert. Soziale Krippen aus dem Förderschulbereich und der Erziehungshilfe in Marienhausen runden die Ausstellung ab. In früheren Zeiten half der Krippenverkauf, Überleben zu sichern oder Weihnachten feiern zu können, in Aulhausen und überall, wo es Menschen mit Behinderung gab.

Zu den gezeigten Rheingaukrippen zählt auch ein Porzellanbild „Hingabe an das Gotteskind“, ein Bild aus dem Schlafzimmer einer Großmutter im Rheingau.

Eine polnische Verkündigungsszene im Weinberg schließt sich an. Der Weinberg erinnert an die viele Arbeit, die Weinlesehelfer aus Polen im Rheingau geleistet haben. Der Engel spricht Maria an. Sie soll die „Gottesgebärerin“ werden. Der große Mund des Engels weist auf die Schwangerschaft durch das Wort hin. Der Engel steht hinter der „Gottesgebärerin“. Ihr Gesicht strahlt Demut und Liebe aus. Sie hat Gottvertrauen. Der Engel hinter ihr zeigt: Sie hat Gott im Rücken. Die Weinrebenwurzeln des Weinberges erinnern an die Krippe in der Basilika in Mittelheim. Hildegard von Bingen hatte der „Gottesgebärerin“ Lieder geschrieben. Erlösung für alle – das war ihre Hoffnung. „Die Hl. Hildegard von Bingen hatte keine Krippe, aber eine Vision von der Gottesgebärerin“, sagt Dr. Christoph Beuers, der auf seine umfangreiche Sammlung stolz sein kann und aus ihr Glaube, Hoffnung und Liebe schöpft. Und den Frieden.

 

Bericht Wiesbadener Kurier vom 30.12.2019

65 Krippen aus aller Welt in St. Petronilla in Aulhausen

Seit 30 Jahren sammelt Diakon Christoph Beuers Krippen. Eine Auswahl ist bis 5. Januar in der Kirche in Aulhausen zu sehen. Zu jeder Krippe kann Beuers eine Geschichte erzählen.

Krippenausstellung verschafft kulturelle Einblicke zu Jesus-Verehrung und Gottvertrauen

Von Thorsten Stötzer

 

AULHAUSEN. Auf den ersten Blick fallen die Inkazeichen auf den Gewändern der Krippenfiguren kaum auf. "Sie sollen böse Geister abwehren", erklärt der Diakon Christoph Beuers. Nur Jesus braucht solche Zeichen nicht. Eine Schildkröte sitzt in seiner Nähe und "symbolisiert die Mutter Erde". Lamas als heilige Tiere und Kakadus zählen ebenso zu den Krippen-Darstellungen aus Lateinamerika.

Viele kulturelle Einblicke über das Gottvertrauen in fernen Ländern ermöglicht eine große Ausstellung in der katholischen Kirche St. Petronilla in Aulhausen. Bis Sonntag, 5. Januar, sind insgesamt 65 Krippen zu bewundern. Mit dem Projekt wird die Sanierung der Kirche unterstützt. Zum Konzept gehört auch ein Krippenrätsel für Familien, in dem zum Beispiel nach den Tierarten in den Krippen gefragt wird.

Diakon Christoph Beuers im gefährlichen Einsatz

Ein Wasserbüffel aus Kampferholz zählt zur chinesischen Krippe. Die zu erwerben, wurde für Beuers zur dreijährigen Geduldsprobe: Der gewohnte Vertrieb über die USA war durch den Zollstreit gehemmt. Abenteuerlicher noch geriet die Ausfuhr einer Krippe aus Bethlehem, die arabische Christen aus Olivenholz angefertigt haben. "Kurz vorher war ein Hamas-Anführer getötet worden", die Abfahrt mit dem Bus musste binnen Minuten erfolgen, "sonst wären wir in einen Schusswechsel gekommen".

Die Krippe aus Bethlehem stellt eine Abendmahl-Szene, eine Fußwaschung und das Kreuztragen von Jesus dar, was belegt, dass nicht allein die Weihnachtsgeschichte als Vorbild dient. Für europäische Augen außergewöhnlich wirkt der schwarzhaarige brasilianische Jesus auf einer Erdkugel. Getöpferte Figuren aus Argentinien sind so bauchig, weil die Handwerker sonst auf Wasserkrüge spezialisiert sind.

"Der Hirtenjunge Perus schreit nach Erlösung", lautet ein erläuternder Text, der abzielt auf die Lage indigener Völker. Christoph Beuers hat viele Geschichten zu erzählen bei der Ausstellungseröffnung, die Egon May mit Trompeten-Stücken begleitet. Seit 30 Jahren sammelt der Diakon Krippen, zum

nunmehr dritten Mal macht er sie in großem Stil der Öffentlichkeit zugänglich, auch Afrika ist vertreten.

 

Die meisten Quadratmeter nimmt die Rheingauer Schneekrippe ein, die 1948 bis 1953 in der Rheingauschule in Geisenheim entstand. Angestrahlt und zentral arrangiert bildet sie einen Höhepunkt der Werkschau und ein Panorama der Landschaft zwischen Burg Ehrenfels und Schloss Reinhartshausen. Ein Kirchturm steht auf der falschen Seite aus Platzgründen, verrät Beuers. In der Mitte ragt Schloss Schönborn hervor, der Oestricher Kran oder Schloss Johannisberg sind ansonsten zu erkennen.

Ganz junge Hände haben eine weitere Krippenlandschaft zusammengestellt. Playmobil war das Material für die heimischen Kindergarten-Kinder, die für einen Zoo und einen Zirkus gesorgt haben. Ein Hubschrauber ist gelandet, ein Piraten-Schiff vor Anker gegangen, ein Rettungswagen garantiert Sicherheit. Sogar einen Drachen haben die Kinder eingruppiert mit einer besonderen Aufgabe: "Er soll das Lagerfeuer anzünden, damit es die Hirten richtig warm haben", hat Beuers erfahren.

ÖFFNUNGSZEITEN Mit Ausnahme von Silvester ist die Ausstellung mit dem Titel "Brücken zwischen Himmel und Erde" bis Sonntag, 5. Januar, täglich von 15 Uhr bis 18 Uhr in der Kirche St. Petronilla in Aulhausen geöffnet. Es gibt stündlich Führungen und am Neujahrstag einen Ausschank von Kirchenwein.