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Fastenimpuls Nr. 1 und Fürbitten 5. Fastensonntag

Für das persönliche Gebet
Fastenimpuls Nr. 1 und Fürbitten 5. Fastensonntag
Fastenimpuls Nr. 1 und Fürbitten 5. Fastensonntag
Jesus weint am Ölberg, Getsemani-Kirche der Nationen, Jerusalem © Enrico Wagner

Joh 11,3-7.17.20.27.33b-45 (Kurzfassung)

 

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

In jener Zeit

sandten die Schwestern des Lazarus Jesus die Nachricht: Herr, dein Freund ist krank.

Als Jesus das hörte, sagte er: Diese Krankheit wird nicht zum Tod führen, sondern dient der Verherrlichung Gottes: Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden.

Denn Jesus liebte Marta, ihre Schwester und Lazarus.

Als er hörte, dass Lazarus krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt.

Danach sagte er zu den Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa gehen.

Als Jesus ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen.

20Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus.

21Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.

Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.

Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen.

Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag.

Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,

und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?

Marta antwortete ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

Jesus war im Innersten erregt und erschüttert.

Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie antworteten ihm: Herr, komm und sieh!

Da weinte Jesus.

Die Juden sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte!

Einige aber sagten: Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb?

Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt, und er ging zum Grab. Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war.

Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, entgegnete ihm: Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag.

Jesus sagte zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?

Da nahmen sie den Stein weg. Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast.

Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herum steht, habe ich es gesagt; denn sie sollen glauben, dass du mich gesandt hast.

Nachdem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus!

Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: Löst ihm die Binden, und lasst ihn weggehen!

Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn.

Fastenimpuls von Kerstin Lembach

Da weinte Jesus.

 Dieser Satz ist so nur einmal in der Bibel zu finden. Jesus weint. Das liest sich für uns heute noch ungewohnt und war für Menschen vor zwanzig Jahren eigentlich schier unglaublich. Jesus ist doch ein Held. Helden weinen nicht, schon gar nicht Jesus, der oft so unnahbar scheint und nur selten seine ganz menschliche Seite zeigt. Jesus ist doch Gottessohn.

Die Avengers, Superhelden in unserer Zeit, zeigen uns oft ihre Tränen. Sie weinen um ihre toten Freunde, ihre Fehler oder aus Mitleid. Sie sind also Helden und ganz normale Menschen.

Jesus ist noch vielmehr als ein Superheld. Er ist Mensch wie wir und Gottessohn. Und er hat auch geweint.

Die Frage ist: Wieso weinte Jesus? Diese Frage haben sich schon viele Menschen gestellt, nicht nur die Menschen zur Zeit Jesus. Weint Jesus aus Mitleid mit Maria und Maria Magdalena, weint Jesus aus persönlicher Betroffenheit, weil Lazarus sein Freund war oder weint er weil es üblich war in der Woche nach dem Tod die Angehörigen zu besuchen und mit ihnen zu trauern? Es gibt auf diese Frage ganz verschiedene Antworten.

Wichtig ist nicht zu vergessen, dass dieser Satz von dem Evangelisten Johannes überliefert ist.  Johannes gilt als der Theologe unter den Evangelisten. Er will nicht unbedingt möglichst detailgetreu über Jesus Leben berichten. Johannes ist es wichtig, das Besondere an Jesus zu vermitteln und was den Glaube an Jesus, den Messias, den Retter der Welt ausmacht.

Auf diesem Hintergrund kommt zum Beispiel Joachim Gnilka ein bekannter Exeget zu der Antwort, dass Jesus über die Macht des Todes weint. Auch wenn Lazarus wieder lebendig wird, ist er nicht wirklich erlöst. „Denn das Leben das Christus ist, ist noch mehr als das Leben in das Lazarus zurückkehren wird“ (Neue Echter Bibel)

Johannes will uns also eigentlich die Herrlichkeit Gottes zeigen. Er will zeigen was den christlichen Glauben so besonders macht, außer ein Leben nach dem Tod.

Es ist die Hoffnung auf Gott, die selbst Todesfurcht überwinden kann.

 

Für mich persönlich sind an dieser Bibelstelle zwei Dinge wichtig, die meinen Glauben und mein Leben im Alltag beeinflussen.

Jesus weint. Jesus ist ein wirklicher Mensch. Wenn Jesus weinen kann, dann kann und darf ich das auch.  Ich muss nicht alles heldenhaft aushalten.

Ich darf weinen:

- um die Eltern, die überfordert damit sind nicht nur ihre Arbeit und ihre Familie zu organisieren, sondern auch plötzlich das Gefühl haben die Lehrkräfte ihrer Kinder zu sein.

- um die Ärzte und Ärztinnen, die sich fürchten vor dem was kommen wird oder auch nicht.

-um die Menschen, die alleine zu Hause sitzen und niemand mehr treffen.

-um mich selbst, weil ich nicht weiß, wann das Alles wieder aufhört und das Leben wieder normal wird.

Ich kann weinen, weil ich die Hoffnung auf Gott habe. Egal wie finster es in meinem Leben aussieht, da ist die Hoffnung nicht allein zu sein.

Gott ist da. Gott kann die Todesfurcht überwinden.

Hoffentlich

Fürbitten

Guter Gott, in vielen Bereichen unseres Lebens erfahren wir zurzeit Veränderungen. An manches gewöhnen wir uns langsam, an anderes können wir uns nicht gewöhnen. Unser ganzes Leben bringen wir vor dich in unseren Bitten:

 

Wir bitten dich im privaten Leben. Für alle Menschen zu Hause, für die Familien und für die einsamen Menschen.

Liebender Gott. Wir bitten dich erhöre uns.

 

Wir bitten dich im beruflichen Leben. Für die Menschen mit Berufen, die in dieser Zeit ganz besonders wichtig werden. Für alle, die ihrer Arbeit zurzeit nicht nachgehen können. Für all jene mit wirtschaftlichen Sorgen.

Liebender Gott. Wir bitten dich erhöre uns.

 

Wir bitten dich im religiösen Leben. Für die Gläubigen, die jetzt andere Formen des Betens finden. Für alle, die auf den Empfang von Sakramenten warten. Für alle, die anderen helfen!

Liebender Gott. Wir bitten dich erhöre uns.

 

Wir bitten dich im weltweiten Leben. Für die vielen Länder, die von der Corona-Pandemie betroffen sind. Für alle Menschen, die in diesen Zeiten auf Reisen oder auf der Flucht sein müssen. Für die Politiker*innen und Politiker dieser Welt.

Liebender Gott. Wir bitten dich erhöre uns.

 

Wir bitten dich für unsere Verstorbenen. Für die Opfer des Corona-Virus. Für alle, an die wir ganz persönlich denken möchten.

Liebender Gott. Wir bitten dich erhöre uns.

 

Was auch immer uns gerade beschäftigt. Du stehst uns bei, weil du uns liebst. Dafür danken wir dir, heute und alle Tage dieser Welt. Amen