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Ikonen- Weihe in St. Hildegard

Ikonen- Weihe in St. Hildegard
Ikonen- Weihe in St. Hildegard
© Sabine Twardy

Am Donnerstag, den 12. September 2019 um 18.00 Uhr übergab Sabine Twardy  in der Wallfahrtskirche St. Hildegard, Eibingen (Marienthaler Str. 3, 65385 Rüdesheim am Rhein - Eibingen) die von ihr geschriebene Hildegard-Ikone an die Pfarrei Heilig Kreuz Rheingau. 

Der Gottesdienst im Byzaninischen Ritus wurden von Hauptzelebrant Pater Prof. Michael Schneider, Archimandrit, geleitet.

 

Heilige Hildegard *1098
Mystikerin und Prophetin

Beschreibung der Ikone

Schon als Kind hatte Hildegard Gesichte und Visionen.

Erst im 42. Lebensjahr erhielt sie die Weisung, alles aufzuschreiben, was sie gehört und gesehen hatte. Diesen Moment fängt diese Ikone der heiligen Hildegard ein. Sie empfängt in der Abgeschiedenheit ihrer Kammer (daher ohne Schleier) den Auftrag, zu schreiben (Feder).

Die Hand Gottes, die aus dem uns unbekannten Dunkel kommt, symbolisiert den Segensgestus. Der Goldgrund bedeutet, dass Hildegard in der Kraft Gottes, in seinem unvergänglichen Licht, steht. Ihr Gesicht zeigt den Zweifel, das Hören, aber auch zugleich ihre Demut. Die zeigt mit der linken Hand auf die „SCIVIAS“, „Wisse die Wege“, um sich zu vergewissern, ob sie die Weisung verstanden hat.

Ihr Kleid symbolisiert die „Grünkraft“, von Hildegard so genannt, womit die allumfassende Schöpfung, die aus Gottes Hand gegeben ist, gemeint ist. Kleine Blumen auf dem Gewand versinnbildlichen ihre Kenntnisse der Heilkräuter und Heilkunst. Naturwissenschaftliche und medizinische Bücher zeugen davon.

 

schreiben der Ikone

© Sabine Twardy

Diese Ikone wurde von Frau Sabine Twardy, Ikonenmalerin, Rüdesheim, 2018/2019 geschrieben.

 

Was ist eine Ikone

Der Begriff „Ikone“ stammt aus dem griechischen Wort „Eikon“ und bedeutet „Bild“ oder „Abbild“. Sie sind kein Allgemeingut der Christenheit, sondern in der ostkirchlichen Kirche entstanden und für deren Theologie und Frömmigkeit charakteristisch.

Ikonen sind keine Bilder im westlichen Sinne wollen auch nicht als Kunstgegenstand betrachtet werden, sondern als religiöse Gegenstände. Eine Ikone, auf der beispielsweise Jesus Christus abgebildet ist, ist das Abbild des Menschen Jesus, aber auch dargestellte Gotteswirklichkeit.

Das Wesen der Ikone ist die religiöse Botschaft, nämlich die Botschaft der Bibel. Die Sprache der Religion ist immer eine Sprache der Symbole und Gleichnisse, wie wir sie in der Bibel finden. Deshalb spricht man beim Ikonenmaler auch vom Ikonenschreiber.

Die Ikone muss das gültige Dogma der orthodoxen Kirche abbilden und nach streng definierten Regeln hergestellt werden.

Dem haben sich Thematik, Malweise, Technik, Farbgebung und Symbolik unterzuordnen. Besondere Attribute des dargestellten Heiligen sind festgelegt, die Farben können variieren. Der Goldgrund steht für das Symbol der Ewigkeit Gottes (Unendlichkeit), dem Abglanz des Göttlichen.

Aus diesem göttlichen Urgrund treten die Gestalten heraus und auf uns zu. Diese Wirkung entsteht auch durch die umgekehrte Perspektive des Bildes und macht seine Faszination aus.

Gemalt wird die Ikone auf Holz, nach der Vergoldung mit Eitempera. Holz steht für die Pflanzenwelt, Leim und Ei für die Tierwelt, Farben und Putz für die Mineralien. So findet man in der Ikone die      Gesamtheit der Schöpfung wieder.

Sabine Twardy, Ikonenmalerin

Spenden für die Finanzierung der Ikone sind willkommen

Pfarrei Heilig Kreuz Rheingau: Rheingauer Volksbank: IBAN: DE 03 5109 1500 0000 0258 87,   

Verwendungszweck: Ikone

 

Beschreibung und Verstehen der Ikone "Johannes der Evangelist an der Brust des Herrn"

Ikone aus einer mittelrussischen Ikonostase um 1700

Johannes der Evangelist an der Brust des Herrn

Die abgebildete Ikone aus einer mittelrussischen Ikonostase um 1700 hatte ihren ursprünglichen Ort hoch über der königlichen Tür, deshalb auch ihre halbrunde Beugung. Dennoch schaut der Betrachter von oben auf das Ge­schehen des Abendmahles, wie es in Joh 13,21-26 berichtet wird.

Christus sitzt inmitten der Apostel und spricht den Segen. Zu seiner Rechten erhebt sich Johannes als einziger der Apostel, tief niedergebeugt seinem Herrn zugeneigt. Das Rot seiner Gewandung, das ihn vor den anderen Apo­steln auszeichnet, mag die Kraft seines brennenden Herzens verdeutlichen. Der Sinn dieser Gestalt wird in seinem Antlitz sichtbar, einer selten so offenbar werdenden Einheit von Lauschen und Erkennen. Er wendet sich an der Brust seines Herrn ihm zu, wie dieser dem Herzen seines Vater zugetan ist. So strahlt das Antlitz des Jüngers in innerer Erfülltheit auf. Denn das beim Herrn Gehörte ist ihm zum Strahl eigener Erkenntnis geworden, mit der er sich dem Geheimnis des Sohnes zu öffnen vermag. Im Erahnen solcher Erkenntnis heißt es in der byzantinischen Stundenliturgie zum Fest des Evan­gelisten am 26. September:

Wahrhaftig hast du dich als großer Freund des Meisters Jesus Christus erwiesen, da du an seiner Brust ruhtest. Dort empfingst du die heilige Lehre, mit der du die ganze Welt als gottströmendes Wort (theologos) reich mach­test. Da die Kirche diese heilige Lehre bewahrt, frohlockt sie jetzt voll Freu­de.

Wer die innere Erfahrung der Propheten, Psalmisten, Evangelisten, Theologen und Heiligen betrachtet, wird bei ihnen seine eigene Erfahrung wiederfinden. So nimmt er ihr Wort mit bereitem Herzen innerlich in sich auf gleich einer geheimnisvollen »Empfängnis« und »Inkarnation« des göttlichen Wortes im eigenen Leben. Ähnlich verhält es sich im Betrachten einer Ikone, die als ge­malter Name Gottes zu einem Sakrament im Schauen wird: Rein ästhetisch betrachtet, wird sie sich kaum erschließen; wer sie jedoch mit gläubigem Herzen anblickt, den führt sie in die Begegnung mit dem Abgebildeten. Versteht das Geheimnis des Menschensohnes wie auch die Mysterien seines Lebens doch nur, wer mit Maria in aller Demut Gottes Wort empfängt und es wie Johannes mit reinem Herzen bewahrt.