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Schatzkiste Gotteslob 2020

Schatzkiste Gotteslob  2020
Schatzkiste Gotteslob  2020
© Pixabay

"Schatzkiste Gotteslob"

Eine Reihe mit dem Titel „Schatzkiste Gotteslob“ erwartet Sie im Pfarrbrief und hier auf der Homepage. Darin möchte ich ihnen alte und neue Lieder unseres Gesangbuches nahe bringen. Aber auch Gebetstexte sollen hier vorgestellt und für den persönlichen Gebrauch empfohlen werden.

Konrad Perabo, Pfarrer

 

Das Lied, das ich zum Abschluss dieses Jahres ausgewählt habe, lässt sich nicht so leicht einsortieren. Im alten Gesangbuch stand es noch bei den Adventsliedern, inzwischen jedoch führt es die Reihe der Weihnachtslieder an.

Ich spreche vom Lied „Es kommt ein Schiff geladen“, das sie unter der Nummer 236 im Gotteslob finden.

Es zählt zu den ältesten geistlichen Gesängen in deutscher Sprache. Der Text geht zurück auf den Schriftsteller Daniel Sundermann, der jedoch selbst auf eine bereits im 15. Jahrhundert entstandene Vorlage zurückgriff. Entsprechend sind die Strophen von der spätmittelalterlichen Vorliebe für allegorische Bilder geprägt, wie sie vor allem die großen Mystiker wie Johannes Tauler gern verwendeten. Uns ist diese mehrdeutige Bildsprache heute eher fremd, weshalb sie erst wieder übersetzt werden muss.

Das Schiff, von dem in den ersten drei Strophen die Rede ist, steht zunächst einmal für Maria, die am Ende ihrer Schwangerschaft „hochbeladen“ das Land erreicht, um dort die „teure Last“, nämlich Gottes Sohn, zur Welt zu bringen. Dieses Ereignis in Bethlehem besingt daher noch einmal ausdrücklich die vierte Strophe.

Gleichzeitig lädt das Lied dazu ein, sich selbst in diesem Bild wiederzuerkennen. Dann wird das Schiff zum Bild für die eigene Seele, die sich vom Heiligen Geist und der Liebe (dem „Mast“ und dem „Segel“ des Schiffes) antreiben lässt, Gottes Wort geistlich „zur Welt zu bringen“, im übertragenen Sinne im eigenen Alltag „Fleisch werden“ zu lassen.

Dazu aber bedarf es der engen Bindung an den, der da in Betlehem geboren wurde, eine Verbundenheit, die auch vor Leid und Tod nicht Halt macht, um schließlich – wie er und mit ihm – „das ewig Leben erben“ zu können. Die alte Melodie dieses Liedes ist sowohl rhythmisch wie von der Tonart her auffallend zweigeteilt und unterstreicht so die Deutung des Bildes.

Wie das Schiff sich zunächst in den Wellen wiegt (angedeutet durch einen ruhigen 3er-Takt), dürfen wir zunächst in der Betrachtung des Weihnachtsgeschehens verharren, um dann aber wieder das feste Land unseres Alltags zu erreichen und frohen Schrittes (im 4er-Takt) mit Christus an der Seite ins neue Jahr zu gehen.

Konrad Perabo, Pfarrer

 

Orgel-Improvisation des Liedes "Es kommt ein Schiff geladen" von Bezirkskantor Florian Brachtendorf

Aber das ist noch Zukunftsmusik. –

Mit diesen Worten werden gern Projekte beschrieben, deren Umsetzung noch in weiter Ferne liegt. Zuvor ist noch vieles andere zu tun. Trotzdem weisen wir gerne auf dieses Ziel hin, auf das, was uns antreibt.
Mit dem Lied „Es wird sein in den letzten Tagen“, das Sie unter der Nummer 549 im Gotteslob finden, stimmt auch unser Gesangbuch im wahrsten Sinne des Wortes eine Zukunftsmusik an.

Der Autor Walter Schulz, ein evange-lischer Pfarrer in der ehemaligen DDR, hat dabei auf einen biblischen Text zurückgegriffen, den wir beim Propheten Micha finden. Schon in biblischer Zeit sollten diese Zeilen dem geknechteten Volk Israel Hoffnung schenken, indem es ihm eine Zukunft zeigte, die freilich in den damaligen Tagen noch undenkbar erschien. Statt Spielball der mächtigen Nachbarn zu sein, wird der Gottesberg (Zion) zum Zentrum, zu dem hin alle Völker ziehen. Und statt der allgegenwärtigen Erfahrung von Krieg und Gewalt werden die zu Pflugscharen umgeschmiedeten Schwerter zu Werk-zeugen des friedlichen Aufbaus statt der Zerstörung.

Die Entstehung des Textes ist mit zwei Jahreszahlen eng verbunden: 1963 und 1987. Die erste wirft den Blick auf den Kalten Krieg, der kurz zuvor in der Kubakrise eine gefährliche Zuspitzung erfahren hatte.

Die zweite bereitet den Weg für die friedliche Revolution, die in der Deutschen Einheit enden sollte. Beide    Ereignisse machen die ermutigenden Zeilen der dritten Strophe verständlich: „Wenn wir heute mutig wagen, auf Jesu Weg zu gehen, werden wir in unsern Tagen den kommenden Frieden sehn.“ 
Dem Greifswalder Kirchenmusiker Manfred Schlenker, der die Melodie zu diesem Lied beigesteuert hat, ist es zu verdanken, dass dieses Lied, unter dessen Vision sich Menschen verbündet haben, nicht zum Marschlied wurde. Mit seinem 6/4-Takt kommt es eher beschwingt daher, wobei die dunkle Färbung des h-moll die Ernsthaftigkeit des Textes zugleich unterstreicht.

Ich glaube, dass uns gerade in den dunklen Tagen des Novembers diese Zukunftsmusik gut tut. Denn diese Vision, wo es am Ende hingeht, gibt uns die Kraft, heute schon das zu tun, was uns den Weg zu diesem Ziel bereitet. „Auf, kommt herbei! Lasst uns wandeln im Lichte des Herrn!“

Konrad Perabo, Pfarrer

Orgel-Improvisation des Liedes "Es wird sein in den letzten Tagen" von Bezirkskantor Florian Brachtendorf

Im Oktober startet in unserer Pfarrei der neue Firmkurs. Jugendliche be-reiten sich auf den Empfang des Sakramentes vor und darauf, selbst öffentlich zu dem Glauben Ja zu sagen, in den sie hineingetauft wurden.

Ich finde das nicht nur eine gute Gelegenheit, die Jugendlichen mit unserem Gebet auf diesem Weg zu begleiten, sondern uns auch selbst unserer Taufwürde neu bewusst zu werden. Dazu habe ich wieder ein Lied aus dem Gotteslob ausgewählt. Es trägt den Titel

„Im Wasser der Taufe hat Gott uns erwählt“ und ist unter der Nummer 860 zu finden.

Den Text verdanken wir dem bekannten Frankfurter Pfarrer Lothar Zenetti. In nur drei Liedstrophen gelingt es ihm, den Bogen vom Anfang bis zum Ende des christlichen Lebens zu schlagen.
Die erste Strophe wirft einen Blick in die Vergangenheit. „Es war ein Tag, da hat mich Gott gerufen, es war ein Tag, da wurde ich getauft.“ Mit der Taufe beginnt alles. Doch schon dieser Beginn ist ein Geschenk. Entscheidend ist nicht mein Wille oder der Wille meiner Eltern, sondern dass Gott mich gerufen hat.
Diese Würde, ein Christ zu sein, muss Tag für Tag – in der Gegenwart – von mir angenommen und bejaht werden.

Daher heißt es in der zweiten Strophe: „Heut ist der Tag, da kann ich das erkennen, heut ist der Tag, da sag ich Ja dazu.“ Dies wird nicht immer in der feier-lichen Form wie bei der Firmung geschehen, aber unser Bemühen, nicht nur  Christ zu heißen, sondern es auch im Alltag zu sein, kann für die Jugendlichen ein wichtiges Zeugnis sein. Die letzte Strophe nimmt die Zukunft, genauer gesagt das Ende in den Blick: „Es kommt ein Tag, da wird mich Gott vollenden, es kommt ein Tag, da nimmt er meine Hand“.

Mein Leben in der Verbundenheit mit ihm geht nicht verloren. Wo aus der Verheißung (bei der Taufe) „Du sollst ein Christ sein“ im Leben ein „Ich will Christ sein“ gewachsen ist, schenkt Gott in der Ewigkeit die Zusage „Du bist ein Christ und wirst es immer sein.“   Ein Grund zu dankbarer Freude.

Der Kirchenmusiker Joachim Raabe hat diesen Text mit einer Melodie unterlegt, die nicht ganz einfach zu singen ist. Doch wenn man sie gelernt hat, dann wird die Freude darüber, Christ zu sein, gleich doppelt hörbar.

Konrad Perabo, Pfarrer

 

Orgel-Improvisation des Liedes "Im Wasser der Taufe hat Gott uns erwählt" von Bezirkskantor Florian Brachtendorf

Nicht nur das Jahr bekommt durch die verschiedenen Feste und Gedenktage ein geistliches Gepräge. Jeder Tag unseres Lebens soll durch das Gebet vom christlichen Glauben getragen und geformt werden. Dabei will das Lied, das ich ihnen heute vorstellen möchte, eine Hilfe sein. Sie finden es unter der Nummer 96 im Gotteslob. Es trägt den Titel:

Du lässt den Tag, o Gott, nun enden

Als Abendlied verbindet es den Dank für den zu Ende gehenden Tag mit der Bitte um Segen für die bevorstehende Nacht. „Wir waren heut in deinen Händen, nimm uns auch jetzt in deine Hand.“

Das hat es mit vielen anderen Abendliedern gemeinsam. Doch dann weitet Raymund Weber, der den Text dieses Liedes nach einer alten englischen Vorlage nachgedichtet hat, unseren Blick über das Hier und Jetzt hinaus.

Er erinnert uns an das Geheimnis der Kirche, die ohne Unterlass – „Tag und Nacht“ – betende Gemeinschaft ist. Denn wo für uns die Sonne untergeht, geht sie an einem anderen Ort unserer Erde wieder auf. Dann wird Gottes „Erbarmen dort verkündet“ und mündet auch dort wieder in den Lobpreis.

Sicher schwingen hier aus der Hekunft und Entstehungszeit dieses Liedes noch Anklänge an die ehemalige Kolonialherrschaft unangenehm mit.

Doch steckt für mich in der Botschaft, dass das Licht des Morgens, das um die Welt geht, „ein unaufhörliches Gebet“ zur Folge hat, eine Kraft, mit der Gott die Welt verändert.

„Dein Reich, o Gott, ist ohne Grenzen.“ – So stellt dann auch die 5. Strophe fest. Und wo Menschen gerade dunkle Zeiten durchleben, bleibt die Hoffnung, dass von Gott her auch hier „neu der große Tag erglänzen“ wird.

Während die englische Vorlage an dieser Stelle endet, hat Weber seinen Text um zwei zusätzliche Strophen erweitert, in denen der Blick zurück auf uns selbst gerichtet wird, aber zugleich in die Zukunft schaut. Denn jeder Abend soll uns auf den Abend unseres Lebens vorbereiten, dessen Tag und Stunde wir nicht kennen.

Doch mit dem gleichen Vertrauen, mit dem wir, in der Erwartung eines neuen Morgens, in die Nacht hineingehen, so sollen wir das auch am Ende unseres Lebens tun, weil uns nach dem Tod das „Morgenlicht der Ewigkeit“ erwartet.

Ich bin dankbar, hier ein musikalisches Abendgebet gefunden zu haben, das nicht nur wegen seiner schönen Melodie lange in mir nachklingt.

Hier können Sie sich eine Improvisation über das Lied anhören:

GL 96 - Bezirkskantor Florian Brachtendorf an der Stumm-Orgel im Rheingauer Dom

Konrad Perabo, Pfarrer

 

Orgel-Improvisation des Liedes "Du lässt den Tag, o Gott nun enden" von Bezirkskantor Florian Brachtendorf

Ist ihnen eigentlich schon einmal aufgefallen, dass unser Gesangbuch „Gotteslob“ heißt? Dabei spiegelt sich in seinem Inhalt, in den Gebeten und Liedern, doch die ganze Bandbreite menschlicher Emotionen wider – Freude und Leid, Jubel, Dank und   Klage – so bunt, wie das Leben eben ist.

Trotzdem haben sich die Bischöfe auch beim neuen Gesangbuch wieder für den Namen „Gotteslob“ entschieden. Dahinter steht die Grund-erfahrung von uns Christen, dass das Lob Gottes auch die schweren Momente überdauert. Weil Gott auch in den dunkelsten Stunden zu uns steht, bleibt sein Lob Endpunkt und Ziel unseres Lebens.

Das Lied, welches sie unter der Nummer 383 im Gesangbuch finden, bringt diese umfassende Bedeutung des Gotteslobes in Text und Melodie zum Klingen.

„Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt“

Der Titel des Liedes wird von Anfang an auch musikalisch umgesetzt. In den drei Strophen thematisiert der Düsseldorfer Sozialpädagoge und Dichter Jürgen Netz viele niederdrückende Erfahrungen des Lebens. Der Mensch, der am Boden liegt und gefesselt ist, der den Weg verloren hat und zum Schweigen gebracht wurde, der in Tränen und Angst auf sein Leben schaut – dieser Mensch hat trotzdem Grund zum Gotteslob. Denn Gott ist der, der befreit, tröstet und ermutigt, der neue Wege weist damit ich lebe, handle, lache, damit ich frei bin, rede und atme.

Diese Perspektive reißt auch die Melodie nach fast Sprechgesangähnlichen Passagen immer wieder in die Höhe.

Diese irdische Erfahrung des rettenden Gottes mündet in der Aufforderung: „Ehre sei Gott auf der Erde in allen Straßen und Häusern“. Und dieses Lied, das zum Himmel aufsteigt, erhält von dort her auch eine Antwort: „Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, Frieden auf Erden.“ Es sind die Worte der Engel, die an Weihnachten die Geburt des Retters Jesus Christus angekündigt haben. Der Komponist Christoph Lehmann hebt den „himmlischen“ Gesang durch einen Tonartwechsel hervor, der erst mit dem letzten Wort in die Ursprungstonart zurückkehrt und gerade damit noch einmal die Verbundenheit von Himmel und Erde beim Gotteslob hörbar macht.

Ich wünsche ihnen in den nächsten Wochen viele Erfahrungen, die sie frohen Herzens ins Gotteslob einstimmen lassen.

Hier können Sie sich eine Improvisation über das Lied anhören:
GL 383 - Bezirkskantor Florian Brachtendorf an der Stumm-Orgel im Rheingauer Dom

Konrad Perabo, Pfarrer

Orgel-Improvisation des Liedes "Ich lobe meinen Gott der aus der Tiefe mich holt" von Florian Brachtendorf

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© Friedbert Simon in Pfarrbriefservice

„Das ist ja immer das gleiche alte Lied.“ – Es gibt wohl kaum eine härtere Kritik, wenn man diese Reaktion auf Leben und Verkündigung in der Kirche von Außenstehenden oder enttäuschten Christen zu hören bekommt. Sicher, Tradition ist wichtig, sie trägt uns gerade durch die schnelllebige Zeit. Doch Glaube lebt noch mehr von den Aufbrüchen, die wir wagen.

Davon singt uns auch das Lied, das ich ihnen heute vorstellen möchte. Schon der Titel ist Programm: „Andere Lieder wollen wir singen“. Sie finden es im Gotteslob unter der Nummer 869. Der ehemalige Generalvikar des Bistums Bamberg, Alois Albrecht, und der bekannte Komponist Neugeistlicher Lieder, Peter Janssens haben es Anfang der 70er Jahre gemeinsam geschrieben.

Beide standen da noch ganz unter dem Eindruck der 2. Vatikanischen Konzils, das auch in der Liturgischen Bewegung starke Zeichen der Veränderung und des Aufbruchs gesetzt hat. Mit ihrem Lied versuchten sie nun diese damals aktuelle Entwicklung in einen biblischen Kontext einzuordnen.

Die 1. Strophe erinnert an die Nacht des Auszugs aus Ägypten. Eine Nacht, an die bei den Juden bis heute mit dem Paschamahl erinnert wird. Das Mahl dieser besonderen Nacht hat das Leben des Volkes Israel von einem Tag auf den anderen komplett verändert und den langen, Weg ins „gelobte Land“ eröffnet.

Dieses „Mahl zum Zeichen der Freiheit“ hat Jesus hunderte Jahre später aufgegriffen, als er mit seinen Jüngern zum letzten Abendmahl zusammen war. Nun ging es allerdings nicht mehr um den Übergang von der Sklaverei in die Freiheit, sondern vom Tod zum Leben. In dem Mahl, das an diesem Abend von Jesus gestiftet wurde, hat er seinen Tod am Kreuz vorweggenommen und eine Brücke zur Auferstehung geschlagen, an der die Jünger ihn wiedererkennen konnten. Auch dieses Mahl wurde zu einem Wendepunkt in der Geschichte.

Und so erinnert uns das Lied schließlich daran, dass auch unsere Eucharistie letztlich ein Aufbruchsmahl in eine hoffnungsvolle Zukunft ist. Gerade in einer Zeit, in der Gottesdienste nur eingeschränkt möglich sind, sollte das uns Mut machen. Nun ist es Zeit, andere Lieder zu singen, nicht in den alten Trott der Selbstverständlichkeiten zurückzufallen, sondern uns von Gott stärken zu lassen, für die Zukunft, die vor uns liegt. „Der Herr führt uns auf neues Land.“ Bleiben wir bei ihm, dann erwartet uns das „Leben der Zukunft“.

Hier können Sie sich eine Improvisation über das Lied anhören:
GL 869 - Bezirkskantor Florian Brachtendorf an der Stumm-Orgel im Rheingauer Dom

Orgel Interpretationen zum Lied: Andere Lieder wollen wir singen. GL 869 - gespielt von Bezirkskantor Florian Brachtendorf an der Stumm-Orgel im Rheingauer Dom

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© Horst Schaub_Pfarrbriefservice

Der Mai 2020 ist für mich ein Marienmonat der besonderen Art. Unser Leben hat sich seit einigen Wochen komplett verändert. Wohin man schaut gibt es nur ein einziges Thema: Corona. Und damit verbunden die große Frage, wie man sich wirksam davor schützt.

Ein „Schutzschirm“, unter den wir Christen uns gemeinsam – zusätzlich zu den vielen medizinischen Empfehlungen – stellen können, ist das gesprochene und auch das gesungene Gebet. Daher habe ich ein bekanntes Marienlied ausgewählt, das wie ich finde gut in diese Zeit passt. Es trägt den Titel „Maria breit den Mantel aus“ und ist unter der Nummer 534 im Gotteslob zu finden.

Dieses Lied hat eine lange und bewegte Geschichte hinter sich, in der sich die Deutung des Textes immer wieder gewandelt hat. Der Ursprung des Liedes ist nicht genau gesichert. Das Gotteslob vermerkt bei der Herkunftsangabe von Text und Musik nur: „nach Innsbruck 1640“. Doch waren die Worte „verjag die Feind all von uns weit“ in der Entstehungszeit am Ende des 30-jährigen Krieges wohl durchaus wörtlich gemeint.

Der 4/4 Takt des Liedes und das ruhige Metrum drücken daher nicht nur zuversichtliche Festigkeit im Glauben aus, sondern sind auch gut zum Marschieren geeignet.

Auch in der Zeit des Kulturkampfes im 19. Jahrhundert, als das in Vergessenheit geratene Lied wiederentdeckt wurde, war es klar auf die Konfrontation gegen den Protestantismus ausgerichtet. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil konnte man, wenn man wollte, in dem Lied jedoch plötzlich auch ökumenische Aspekte heraushören, etwa bei der Liedzeile „Dein Mantel ist sehr weit und breit, er deckt die ganze Christenheit“.

Und heute, in unseren Tagen, in denen uns die Zusammenkünfte als Glaubensgemeinschaft verwehrt sind, mag manchem gerade das Bild der Schutzmantelmadonna ein Trost sein. Bei Maria können wir uns – auch wenn wir räumlich getrennt sind – versammeln und unter ihrem Schutz ein Stück Geborgenheit erfahren.

Gerade angesichts eines Virus, der die ganze Welt erfasst hat, nimmt das Lied wirklich alle in den Blick: Der Mantel „deckt die weite, weite Welt, ist aller Zuflucht und Gezelt.“ Und so stimmen wir mit neuer Dringlichkeit in den Ruf ein, der die Strophen beschließt: „Patronin voller Güte, uns allezeit behüte.“

Hier können Sie sich eine Improvisation über das Lied anhören:
GL 534 - Bezirkskantor Florian Brachtendorf an der Stumm-Orgel im Rheingauer Dom

Ihnen alles Gute und bleiben Sie gesund

Konrad Perabo, Pfarrer

Orgel-Improvisation zum Lied "Maria breit den Mantel aus" von Bezirkskantor Florian Brachtendorf

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© Markus Weinlaender

Es gibt Melodien, die sind so unverwechselbar, dass sie jeder bereits nach wenigen Noten wiedererkennt. Denken sie nur an den Beginn der „Schicksalssinfonie“ oder die „Ode an die Freude“ von Ludwig van Beethoven, dessen Jubiläum wir in diesem Jahr feiern.

Ganz ähnlich geht es mir mit dem Lied, das ich ihnen heute vorstellen möchte. Sie kennen es alle. Unter dem Titel „Christ ist erstanden“ finden sie es bei der Nummer 318 im Gotteslob.

Wenn der Organist die ersten Noten dieses Liedes intoniert, weiß jeder schon, was jetzt kommt, noch bevor er die richtige Seite im Gesangbuch aufgeschlagen hat.

Diese Vertrautheit hat sicher mehrere Gründe. Einer davon ist, dass es sich um das älteste Osterlied handelt, das bis heute regelmäßig gesungen wird. Seine Wurzeln reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück. Wie in dieser Zeit nicht anders zu erwarten liegt dem heutigen Lied ein lateinischer Text zugrunde, der auch noch andere Lieder unseres Gotteslobes inspiriert hat, nämlich die Ostersequenz „Victimae paschali laudes“. Und genau von ihr stammen auch die ersten unverwechselbaren Noten, die jeden Hörer sofort erkennen lassen: Jetzt ist Ostern!

Das Lied lädt uns dazu ein, uns das Ostergeschehen persönlich anzu-eignen. Das geht nur mit Gottes Erbarmen. Daher schließt jede Strophe mit dem „Kyrieleis“. Dieser Abschluss ist typisch für die ersten deutschen Liturgiegesänge dieser Zeit, die daher auch „Leisen“ genannt werden.

„Christ ist erstanden“ – Das ist nicht die Beschreibung eines längst vergangenen Vorgangs. Ostern ist ein Ereignis, das Zeit und Raum sprengt, dessen Wirkung bis ins hier und jetzt nachhallt. „Christ will unser Trost sein“ – so drückt es das Lied aus. Und es ist ein Ereignis von Weltbedeutung. „Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen“ – so betont die zweite Strophe.

Angesichts dessen bleibt uns letztlich nur freudiges Staunen und ein sprachlos dankbarer Jubel, der sich im dreifachen Halleluja der dritten Strophe Bahn bricht.

„Christ ist erstanden“ – ein Lied das über die Jahrhunderte nie aus der Mode gekommen ist, denn seine Botschaft ist die „Erkennungsmelodie“ der Christen.

Konrad Perabo, Pfarrer

© Pfarrbriefservice_Pixabay

Nach den tollen Tagen der Fastnacht lädt uns die Kirche ein, in der Österlichen Bußzeit das eigene Leben bewusst und kritisch in den Blick zu nehmen.

Das Lied, das ich ihnen heute vorstellen möchte, will dabei eine Hilfe sein und Mut machen. Es trägt den Titel: „Sag ja zu mir, wenn alles nein sagt“ und sie finden es unter der Nummer 767 im Gotteslob.

Der Mainzer Dominikanerpater Diethard Ziels hat auf die Melodie des niederländischen Priesters Ignace de Sutter einen Text geschrieben, der einen geistlichen Weg weisen will. Das Lied skizziert zunächst die Ausgangssituation, in der ich den Eindruck habe, dass „alles nein sagt“. Nicht nur andere Personen oder eine Lebenssituation, in der ich mich befinde, kann ich als ablehnend und   blockierend empfinden. Oft stehe ich mir auch selbst im Weg. Deshalb wende ich mich an den, der über den Dingen steht, um Hilfe: Jesus Christus. Er ist der Maßstab, den ich beim Blick auf mein Leben anlegen muss, wie in der zweiten Strophe betont wird: „An dir muss ich mein Leben messen.“

Weil ich weiß, dass die Selbsterkenntnis der erste Schritt zur Veränderung ist, bitte ich mit der dritten Strophe um „den Mut, mich selbst zu kennen“. Nur dieser ehrliche Blick bringt mich weiter. Die Kraft dazu gibt mir Gottes „Ja“, das er mir auch in der größten Schuld nicht entzieht. „Denn wenn du ja sagst, kann ich leben“, dann öffnen sich mir neue Lebenshorizonte, die ich zuvor vielleicht nicht gesehen    habe. 
Die fünfte Strophe spricht ganz bewusst von diesem neuen Blick auf die Welt. „Zu viele sehen nur das Böse und nicht das Gute, das geschieht.“ Statt sich von allem Negativen, das sich aufdrängt, erschlagen zu lassen, darf ich den Blick auf die guten An-fänge werfen, um dann selbst ein Teil davon zu werden. Denn ein persönlicher Neuanfang ist nie nur Sache eines Einzelnen. Das mit Gott erneuerte Leben führt zur Lebensfreude, die ich mit anderen teilen kann. „Drum ist mein Leben nicht vergeblich, es kann für andre Hilfe sein.“

„Tu meinen Mund auf, dich zu loben, und gib mir deinen neuen Geist.“ - Der Refrain, der alle Strophen durchzieht, lässt schließlich den Dank an Gott mit der Bitte um Erneuerung zusammenklingen. Diese Erneuerung ist der geistliche Weg, an dessen Ziel mein persönliches Osterfest steht.

Konrad Perabo, Pfarrer

 

Auf das Lied, das ich ihnen heute vorstellen möchte, haben zahlreiche Kirchenmusiker und Priester schon lange gewartet. Denn sie standen Jahr für Jahr vor dem Problem, wie sie das Fest „Darstellung des Herrn“ (Maria Lichtmess) musikalisch gestalten sollten. Weihnachtslieder kurz vor der Fastenzeit anzustimmen erschien dabei genauso unpassend wie „Standardlieder“ aus dem Jahreskreis zu nehmen.

Mit dem Lied „Volk Gottes, zünde Lichter an“, das sie unter der Nummer 374 im Gotteslob finden, wird nun diese thematische Lücke unseres Gesangbuchs geschlossen. Von den ursprünglich 11 Strophen, die der Hildesheimer Priester Peter Gerloff gedichtet hat, haben es fünf bis ins Gotteslob geschafft.

Die erste Strophe fordert uns, das Volk Gottes, auf, Lichter anzuzünden, weil der, „der jedes Dunkel wenden kann“, ins Haus des Vaters einzieht. Damit greift das Lied den Eröffnungsritus des Festes „Darstellung des Herrn“ auf, in dem Kerzen gesegnet und entzündet werden, um anschließend mit ihnen in einer feierlichen Prozession in die Kirche einzuziehen.

Mit der zweiten und dritten Strophe werden wir an die Ereignisse erinnert, die diesem Fest zugrunde liegen. Wie im biblischen Bericht begegnen uns dabei nicht nur Maria, Josef und das Kind, sondern auch Simeon, der in Jesus die „Erleuchtung für die ganze Welt“ erkennt.

Doch wie jedes Fest soll auch dieses nicht bei der biblischen Betrachtung stehen bleiben. „Herr, öffne du auch uns den Sinn für dich und deine Herrlichkeit“ – so bitten wir daher in der vierten Strophe. Und spätestens hier fällt uns auch die bekannte Melodie auf, die diesem Lied zugrunde liegt. Wir kennen sie sonst mit dem Text „O Jesu Christe, wahres Licht, erleuchte, die dich kennen nicht“. Sie macht uns klar, dass unser Leben ein stetiges Suchen und Finden dessen sein wird, der uns damals als Licht aufgegangen ist. Zugleich schließt die Bitte „und dir sei jedes Haus geweiht“ den Weihnachtsfestkreis endgültig ab, der mit dem Ruf „Macht hoch die Tür“ im   Advent begonnen hatte.

Am Ende steht, wie so oft, das Lob auf den dreifaltigen Gott, der uns auch heute im Alltag trägt, befreit und bewegt. Ein echter Lichtblick für unsere Welt.

Konrad Perabo, Pfarrer

 

Wenn in den ersten Tagen des neuen Jahres die Sternsinger in unsere Häuser kommen, dann erinnern sie uns an die drei „Magier“, wie sie in der Heiligen Schrift genannt werden, die sich von einem Stern geführt auf den Weg machten, den neuge-borenen Heiland zu suchen.

Aus Köln, wo diese als „Heilige drei Könige“ besonders verehrt werden, stammt das Lied, das ich ihnen im Januar vorstellen möchte. Es trägt den Titel „Gottes Stern leuchte uns“. Sie finden es unter der Nummer 259 in unserem Gesangbuch.

Dieses junge geistliche Lied wurde 1998 von dem Kölner Priester Christoph Biskupek und dem dortigen Domkantor Oliver Sperling getextet und vertont. Durch die drei Strophen führt uns der Stern dabei vom Ursprung aller Dinge bis in unsere Zeit.

In der ersten Strophe wird der Stern als das „Himmelslicht der Schöpfung“ besungen. Damit führt er uns die Weite der Schöpfung vor Augen, die uns bereits ein Blick auf einen nächtlichen Sternenhimmel erahnen lässt.

Gott hat Ja gesagt zu dieser Schöpfung. „Gottes Wort die Welt erschuf.“ – Diese Formulierung im Lied erinnert zugleich an den Anfang des Johannesevangeliums, der uns in der Weihnachtszeit immer wieder verkündet wird. Damit wir uns in dieser Weite nicht verirren, weist die zweite Strophe auf die drei Weisen hin, die sich vom Stern auf den „Weg zum Leben“ führen lassen.

Ihr Fund – „Gottes Sohn, ein Menschenkind“ lässt sie merken, dass damit nun „eine neue Zeit beginnt“. Denn dieser menschgewordene Gott will uns nun – wie der Stern – Orientierung schenken.

Mit der dritten Strophe werden wir selbst in das Lied eingebunden. „Gottes Stern leite uns.“ – so lautet gleich zu Beginn die Bitte. Doch wir müssen nicht nach den Gestirnen Ausschau halten. Gottes Heiliger Geist ist unser Stern, „der uns durch die Zeiten lenkt“.

Auch musikalisch werden wir gerade mit der steigenden C-Dur-Tonleiter am Ende jeder Strophe eingeladen, uns wie die Könige aufzumachen, denn am Ziel der Reise steht strahlend die Freude, die uns der Glaube schenken will.

Eine schöne Verheißung, nicht nur für das Dreikönigsfest. Das ganze Jahr, das nun neu begonnen hat, soll unter einem guten, unter Gottes Stern stehen.

Konrad Perabo, Pfarrer

 

Konrad Perabo
Pfarrer

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