Schatzkiste Gotteslob 2020
Wenn in den ersten Tagen des neuen Jahres die Sternsinger in unsere Häuser kommen, dann erinnern sie uns an die drei „Magier“, wie sie in der Heiligen Schrift genannt werden, die sich von einem Stern geführt auf den Weg machten, den neuge-borenen Heiland zu suchen.
Aus Köln, wo diese als „Heilige drei Könige“ besonders verehrt werden, stammt das Lied, das ich ihnen im Januar vorstellen möchte. Es trägt den Titel „Gottes Stern leuchte uns“.
Sie finden es unter der Nummer 259 in unserem Gesangbuch.
Dieses junge geistliche Lied wurde 1998 von dem Kölner Priester Christoph Biskupek und dem dortigen Domkantor Oliver Sperling getextet und vertont. Durch die drei Strophen führt uns der Stern dabei vom Ursprung aller Dinge bis in unsere Zeit.
In der ersten Strophe wird der Stern als das „Himmelslicht der Schöpfung“ besungen. Damit führt er uns die Weite der Schöpfung vor Augen, die uns bereits ein Blick auf einen nächt-lichen Sternenhimmel erahnen lässt.
Gott hat Ja gesagt zu dieser Schöpfung. „Gottes Wort die Welt erschuf.“ – Diese Formulierung im Lied erinnert zugleich an den Anfang des Johannesevangeliums, der uns in der Weihnachtszeit immer wieder verkündet wird.
Damit wir uns in dieser Weite nicht verirren, weist die zweite Strophe auf die drei Weisen hin, die sich vom Stern auf den „Weg zum Leben“ führen lassen.
Ihr Fund – „Gottes Sohn, ein Menschenkind“ lässt sie merken, dass damit nun „eine neue Zeit beginnt“. Denn dieser menschgewordene Gott will uns nun – wie der Stern – Orientierung schenken.
Mit der dritten Strophe werden wir selbst in das Lied eingebunden. „Gottes Stern leite uns.“ – so lautet gleich zu Beginn die Bitte. Doch wir müssen nicht nach den Gestirnen Ausschau halten. Gottes Heiliger Geist ist unser Stern, „der uns durch die Zeiten lenkt“.
Auch musikalisch werden wir gerade mit der steigenden C-Dur-Tonleiter am Ende jeder Strophe eingeladen, uns wie die Könige aufzumachen, denn am Ziel der Reise steht strahlend die Freude, die uns der Glaube schenken will.
Eine schöne Verheißung, nicht nur für das Dreikönigsfest. Das ganze Jahr, das nun neu begonnen hat, soll unter einem guten, unter Gottes Stern stehen.
Konrad Perabo, Pfarrer
Auf das Lied, das ich ihnen heute vorstellen möchte, haben zahlreiche Kirchenmusiker und Priester schon lange gewartet. Denn sie standen Jahr für Jahr vor dem Problem, wie sie das Fest „Darstellung des Herrn“ (Maria Lichtmess) musikalisch gestalten sollten. Weihnachtslieder kurz vor der Fastenzeit anzustimmen erschien dabei genauso unpassend wie „Standardlieder“ aus dem Jahreskreis zu nehmen.
Mit dem Lied „Volk Gottes, zünde Lichter an“, das sie unter der Nummer 374 im Gotteslob finden, wird nun diese thematische Lücke unseres Gesangbuchs geschlossen. Von den ursprünglich 11 Strophen, die der Hildes-heimer Priester Peter Gerloff gedichtet hat, haben es fünf bis ins Gotteslob geschafft.
Die erste Strophe fordert uns, das Volk Gottes, auf, Lichter anzuzünden, weil der, „der jedes Dunkel wenden kann“, ins Haus des Vaters einzieht. Damit greift das Lied den Eröffnungsritus des Festes „Darstellung des Herrn“ auf, in dem Kerzen gesegnet und entzündet werden, um anschließend mit ihnen in einer feierlichen Prozession in die Kirche einzuziehen.
Mit der zweiten und dritten Strophe werden wir an die Ereignisse erinnert, die diesem Fest zugrunde liegen. Wie im biblischen Bericht begegnen uns dabei nicht nur Maria, Josef und das Kind, sondern auch Simeon, der in Jesus die „Erleuchtung für die ganze Welt“ erkennt.
Doch wie jedes Fest soll auch dieses nicht bei der biblischen Betrachtung stehen bleiben. „Herr, öffne du auch uns den Sinn für dich und deine Herrlichkeit“ – so bitten wir daher in der vierten Strophe. Und spätestens hier fällt uns auch die bekannte Melodie auf, die diesem Lied zugrunde liegt. Wir kennen sie sonst mit dem Text „O Jesu Christe, wahres Licht, erleuchte, die dich kennen nicht“. Sie macht uns klar, dass unser Leben ein stetiges Suchen und Finden dessen sein wird, der uns damals als Licht aufgegangen ist. Zugleich schließt die Bitte „und dir sei jedes Haus geweiht“ den Weihnachtsfestkreis endgültig ab, der mit dem Ruf „Macht hoch die Tür“ im Advent begonnen hatte.
Am Ende steht, wie so oft, das Lob auf den dreifaltigen Gott, der uns auch heute im Alltag trägt, befreit und bewegt. Ein echter Lichtblick für unsere Welt.
Konrad Perabo, Pfarrer
Nach den tollen Tagen der Fastnacht lädt uns die Kirche ein, in der Öster-lichen Bußzeit das eigene Leben bewusst und kritisch in den Blick zu nehmen.
Das Lied, das ich ihnen heute vorstellen möchte, will dabei eine Hilfe sein und Mut machen. Es trägt den Titel: „Sag ja zu mir, wenn alles nein sagt“ und sie finden es unter der Nummer 767 im Gotteslob.
Der Mainzer Dominikanerpater Diethard Ziels hat auf die Melodie des niederländischen Priesters Ignace de Sutter einen Text geschrieben, der einen geistlichen Weg weisen will.
Das Lied skizziert zunächst die Ausgangssituation, in der ich den Eindruck habe, dass „alles nein sagt“. Nicht nur andere Personen oder eine Lebenssituation, in der ich mich be-finde, kann ich als ablehnend und blockierend empfinden. Oft stehe ich mir auch selbst im Weg. Deshalb wende ich mich an den, der über den Dingen steht, um Hilfe: Jesus Christus.
Er ist der Maßstab, den ich beim Blick auf mein Leben anlegen muss, wie in der zweiten Strophe betont wird: „An dir muss ich mein Leben messen.“
Weil ich weiß, dass die Selbsterkenntnis der erste Schritt zur Veränderung ist, bitte ich mit der dritten Strophe um „den Mut, mich selbst zu kennen“. Nur dieser ehrliche Blick bringt mich weiter.
Die Kraft dazu gibt mir Gottes „Ja“, das er mir auch in der größten Schuld nicht entzieht. „Denn wenn du ja sagst, kann ich leben“, dann öffnen sich mir neue Lebenshorizonte, die ich zuvor vielleicht nicht gesehen habe.
Die fünfte Strophe spricht ganz bewusst von diesem neuen Blick auf die Welt. „Zu viele sehen nur das Böse und nicht das Gute, das geschieht.“
Statt sich von allem Negativen, das sich aufdrängt, erschlagen zu lassen, darf ich den Blick auf die guten An-fänge werfen, um dann selbst ein Teil davon zu werden.
Denn ein persönlicher Neuanfang ist nie nur Sache eines Einzelnen. Das mit Gott erneuerte Leben führt zur Lebensfreude, die ich mit anderen teilen kann. „Drum ist mein Leben nicht vergeblich, es kann für andre Hilfe sein.“
„Tu meinen Mund auf, dich zu loben, und gib mir deinen neuen Geist.“ - Der Refrain, der alle Strophen durchzieht, lässt schließlich den Dank an Gott mit der Bitte um Erneuerung zusammenklingen.
Diese Erneuerung ist der geistliche Weg, an dessen Ziel mein persönliches Osterfest steht.
Konrad Perabo, Pfarrer
Ist Ihnen eigentlich schon einmal aufgefallen, dass unser Gesangbuch „Gotteslob“ heißt? Dabei spiegelt sich in seinem Inhalt, in den Gebeten und Liedern, doch die ganze Bandbreite menschlicher Emotionen wider – Freude und Leid, Jubel, Dank und Klage – so bunt, wie das Leben eben ist.
Trotzdem haben sich die Bischöfe auch beim neuen Gesangbuch wieder für den Namen „Gotteslob“ entschieden. Dahinter steht die Grund-erfahrung von uns Christen, dass das Lob Gottes auch die schweren Momente überdauert. Weil Gott auch in den dunkelsten Stunden zu uns steht, bleibt sein Lob Endpunkt und Ziel unseres Lebens.
Das Lied, welches sie unter der Nummer 383 im Gesangbuch finden, bringt diese umfassende Bedeutung des Gotteslobes in Text und Melodie zum Klingen.
„Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt“
Der Titel des Liedes wird von Anfang an auch musikalisch umgesetzt. In den drei Strophen thematisiert der Düsseldorfer Sozialpädagoge und Dichter Jürgen Netz viele nieder-drückende Erfahrungen des Lebens.
Der Mensch, der am Boden liegt und gefesselt ist, der den Weg verloren hat und zum Schweigen gebracht wurde, der in Tränen und Angst auf sein Leben schaut – dieser Mensch hat trotzdem Grund zum Gotteslob. Denn Gott ist der, der befreit, tröstet und ermutigt, der neue Wege weist damit ich lebe, handle, lache, damit ich frei bin, rede und atme.
Diese Perspektive reißt auch die Melodie nach fast Sprechgesangähn-lichen Passagen immer wieder in die Höhe.
Diese irdische Erfahrung des rettenden Gottes mündet in der Aufforderung: „Ehre sei Gott auf der Erde in allen Straßen und Häusern“. Und dieses Lied, das zum Himmel aufsteigt, erhält von dort her auch eine Antwort: „Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, Frieden auf Erden.“
Es sind die Worte der Engel, die an Weihnachten die Geburt des Retters Jesus Christus angekündigt haben. Der Komponist Christoph Lehmann hebt den „himmlischen“ Gesang durch einen Tonartwechsel hervor, der erst mit dem letzten Wort in die Ursprungstonart zurückkehrt und gerade damit noch einmal die Verbundenheit von Himmel und Erde beim Gotteslob hörbar macht.
Ich wünsche ihnen in den nächsten Wochen viele Erfahrungen, die sie frohen Herzens ins Gotteslob einstimmen lassen.
Konrad Perabo, Pfarrer
Nicht nur das Jahr bekommt durch die verschiedenen Feste und Gedenktage ein geistliches Gepräge. Jeder Tag unseres Lebens soll durch das Gebet vom christlichen Glauben getragen und geformt werden. Dabei will das Lied, das ich ihnen heute vorstellen möchte, eine Hilfe sein. Sie finden es unter der Nummer 96 im Gotteslob. Es trägt den Titel:
Du lässt den Tag, o Gott, nun enden
Als Abendlied verbindet es den Dank für den zu Ende gehenden Tag mit der Bitte um Segen für die bevorstehende Nacht. „Wir waren heut in deinen Händen, nimm uns auch jetzt in deine Hand.“
Das hat es mit vielen anderen Abendliedern gemeinsam. Doch dann weitet Raymund Weber, der den Text dieses Liedes nach einer alten englischen Vorlage nachgedichtet hat, unseren Blick über das Hier und Jetzt hinaus.
Er erinnert uns an das Geheimnis der Kirche, die ohne Unterlass – „Tag und Nacht“ – betende Gemeinschaft ist. Denn wo für uns die Sonne untergeht, geht sie an einem anderen Ort unserer Erde wieder auf. Dann wird Gottes „Erbarmen dort verkündet“ und mündet auch dort wieder in den Lobpreis.
Sicher schwingen hier aus der Hekunft und Entstehungszeit dieses Liedes noch Anklänge an die ehemalige Kolonialherrschaft unangenehm mit.
Doch steckt für mich in der Botschaft, dass das Licht des Morgens, das um die Welt geht, „ein unaufhörliches Gebet“ zur Folge hat, eine Kraft, mit der Gott die Welt verändert.
„Dein Reich, o Gott, ist ohne Grenzen.“ – So stellt dann auch die 5. Strophe fest. Und wo Menschen gerade dunkle Zeiten durchleben, bleibt die Hoffnung, dass von Gott her auch hier „neu der große Tag erglänzen“ wird.
Während die englische Vorlage an dieser Stelle endet, hat Weber seinen Text um zwei zusätzliche Strophen erweitert, in denen der Blick zurück auf uns selbst gerichtet wird, aber zugleich in die Zukunft schaut. Denn jeder Abend soll uns auf den Abend unseres Lebens vorbereiten, dessen Tag und Stunde wir nicht kennen.
Doch mit dem gleichen Vertrauen, mit dem wir, in der Erwartung eines neuen Morgens, in die Nacht hineingehen, so sollen wir das auch am Ende unseres Lebens tun, weil uns nach dem Tod das „Morgenlicht der Ewigkeit“ erwartet.
Ich bin dankbar, hier ein musikalisches Abendgebet gefunden zu haben, das nicht nur wegen seiner schönen Melodie lange in mir nachklingt.
Konrad Perabo, Pfarrer
Aber das ist noch Zukunftsmusik. –
Mit diesen Worten werden gern Projekte beschrieben, deren Umsetzung noch in weiter Ferne liegt. Zuvor ist noch vieles andere zu tun. Trotzdem weisen wir gerne auf dieses Ziel hin, auf das, was uns antreibt.
Mit dem Lied „Es wird sein in den letzten Tagen“, das Sie unter der Nummer 549 im Gotteslob finden, stimmt auch unser Gesangbuch im wahrsten Sinne des Wortes eine Zukunftsmusik an.
Der Autor Walter Schulz, ein evange-lischer Pfarrer in der ehemaligen DDR, hat dabei auf einen biblischen Text zurückgegriffen, den wir beim Propheten Micha finden. Schon in bib-lischer Zeit sollten diese Zeilen dem geknechteten Volk Israel Hoffnung schenken, indem es ihm eine Zukunft zeigte, die freilich in den damaligen Tagen noch undenkbar erschien. Statt Spielball der mächtigen Nachbarn zu sein, wird der Gottesberg (Zion) zum Zentrum, zu dem hin alle Völker ziehen. Und statt der allgegenwärtigen Erfahrung von Krieg und Gewalt werden die zu Pflugscharen umgeschmiedeten Schwerter zu Werk-zeugen des friedlichen Aufbaus statt der Zerstörung.
Die Entstehung des Textes ist mit zwei Jahreszahlen eng verbunden: 1963 und 1987. Die erste wirft den Blick auf den Kalten Krieg, der kurz zuvor in der Kubakrise eine gefährliche Zuspitzung erfahren hatte.
Die zweite bereitet den Weg für die friedliche Revolution, die in der Deutschen Einheit enden sollte. Beide Ereignisse machen die ermutigenden Zeilen der dritten Strophe verständlich: „Wenn wir heute mutig wagen, auf Jesu Weg zu gehen, werden wir in unsern Tagen den kommenden Frieden sehn.“
Dem Greifswalder Kirchenmusiker Manfred Schlenker, der die Melodie zu diesem Lied beigesteuert hat, ist es zu verdanken, dass dieses Lied, unter dessen Vision sich Menschen verbündet haben, nicht zum Marschlied wurde.
Mit seinem 6/4-Takt kommt es eher beschwingt daher, wobei die dunkle Färbung des h-moll die Ernsthaftigkeit des Textes zugleich unterstreicht.
Ich glaube, dass uns gerade in den dunklen Tagen des Novembers diese Zukunftsmusik gut tut. Denn diese Vision, wo es am Ende hingeht, gibt uns die Kraft, heute schon das zu tun, was uns den Weg zu diesem Ziel bereitet. „Auf, kommt herbei! Lasst uns wandeln im Lichte des Herrn!“
Konrad Perabo, Pfarrer
November 2020: "Es wird sein in den letzten Tagen“, Gotteslob Nr. 549
Aber das ist noch Zukunftsmusik. –
Mit diesen Worten werden gern Projekte beschrieben, deren Umsetzung noch in weiter Ferne liegt. Zuvor ist noch vieles andere zu tun. Trotzdem weisen wir gerne auf dieses Ziel hin, auf das, was uns antreibt.
Mit dem Lied „Es wird sein in den letzten Tagen“, das Sie unter der Nummer 549 im Gotteslob finden, stimmt auch unser Gesangbuch im wahrsten Sinne des Wortes eine Zukunftsmusik an.
Der Autor Walter Schulz, ein evange-lischer Pfarrer in der ehemaligen DDR, hat dabei auf einen biblischen Text zurückgegriffen, den wir beim Propheten Micha finden. Schon in bib-lischer Zeit sollten diese Zeilen dem geknechteten Volk Israel Hoffnung schenken, indem es ihm eine Zukunft zeigte, die freilich in den damaligen Tagen noch undenkbar erschien. Statt Spielball der mächtigen Nachbarn zu sein, wird der Gottesberg (Zion) zum Zentrum, zu dem hin alle Völker ziehen. Und statt der allgegenwärtigen Erfahrung von Krieg und Gewalt werden die zu Pflugscharen umgeschmiedeten Schwerter zu Werk-zeugen des friedlichen Aufbaus statt der Zerstörung.
Die Entstehung des Textes ist mit zwei Jahreszahlen eng verbunden: 1963 und 1987. Die erste wirft den Blick auf den Kalten Krieg, der kurz zuvor in der Kubakrise eine gefährliche Zuspitzung erfahren hatte.
Die zweite bereitet den Weg für die friedliche Revolution, die in der Deutschen Einheit enden sollte. Beide Ereignisse machen die ermutigenden Zeilen der dritten Strophe verständlich: „Wenn wir heute mutig wagen, auf Jesu Weg zu gehen, werden wir in unsern Tagen den kommenden Frieden sehn.“
Dem Greifswalder Kirchenmusiker Manfred Schlenker, der die Melodie zu diesem Lied beigesteuert hat, ist es zu verdanken, dass dieses Lied, unter dessen Vision sich Menschen verbündet haben, nicht zum Marschlied wurde.
Mit seinem 6/4-Takt kommt es eher beschwingt daher, wobei die dunkle Färbung des h-moll die Ernsthaftigkeit des Textes zugleich unterstreicht.
Ich glaube, dass uns gerade in den dunklen Tagen des Novembers diese Zukunftsmusik gut tut. Denn diese Vision, wo es am Ende hingeht, gibt uns die Kraft, heute schon das zu tun, was uns den Weg zu diesem Ziel bereitet. „Auf, kommt herbei! Lasst uns wandeln im Lichte des Herrn!“
Konrad Perabo, Pfarrer
Das Lied, das ich zum Abschluss dieses Jahres ausgewählt habe, lässt sich nicht so leicht einsortieren. Im alten Gesangbuch stand es noch bei den Adventsliedern, inzwischen jedoch führt es die Reihe der Weihnachts-lieder an.
Ich spreche vom Lied „Es kommt ein Schiff geladen“, das sie unter der Nummer 236 im Gotteslob finden.
Es zählt zu den ältesten geistlichen Gesängen in deutscher Sprache. Der Text geht zurück auf den Schriftsteller Daniel Sundermann, der jedoch selbst auf eine bereits im 15. Jahrhundert entstandene Vorlage zurückgriff. Entsprechend sind die Strophen von der spätmittelalterlichen Vorliebe für allegorische Bilder geprägt, wie sie vor allem die großen Mystiker wie Johannes Tauler gern verwendeten.
Uns ist diese mehrdeutige Bildsprache heute eher fremd, weshalb sie erst wieder übersetzt werden muss.
Das Schiff, von dem in den ersten drei Strophen die Rede ist, steht zunächst einmal für Maria, die am Ende ihrer Schwangerschaft „hochbeladen“ das Land erreicht, um dort die „teure Last“, nämlich Gottes Sohn, zur Welt zu bringen.
Dieses Ereignis in Bethlehem besingt daher noch einmal ausdrücklich die vierte Strophe.
Gleichzeitig lädt das Lied dazu ein, sich selbst in diesem Bild wiederzuerkennen. Dann wird das Schiff zum Bild für die eigene Seele, die sich vom Heiligen Geist und der Liebe (dem „Mast“ und dem „Segel“ des Schiffes) antreiben lässt, Gottes Wort geistlich „zur Welt zu bringen“, im übertragenen Sinne im eigenen Alltag „Fleisch werden“ zu lassen.
Dazu aber bedarf es der engen Bindung an den, der da in Betlehem geboren wurde, eine Verbundenheit, die auch vor Leid und Tod nicht Halt macht, um schließlich – wie er und mit ihm – „das ewig Leben erben“ zu können.
Die alte Melodie dieses Liedes ist sowohl rhythmisch wie von der Tonart her auffallend zweigeteilt und unterstreicht so die Deutung des Bildes.
Wie das Schiff sich zunächst in den Wellen wiegt (angedeutet durch einen ruhigen 3er-Takt), dürfen wir zunächst in der Betrachtung des Weihnachtsgeschehens verharren, um dann aber wieder das feste Land unseres Alltags zu erreichen und frohen Schrittes (im 4er-Takt) mit Christus an der Seite ins neue Jahr zu gehen.
Konrad Perabo, Pfarrer